content

Es ist mal wieder soweit.

Die selbsternannten Glaubenshüter & Moralwächter haben einen neuen Feind gefunden. Die KjG. Die ist böse. Ganz ganz böse. Die ist nicht mehr katholisch. Die muss abgeschafft werden.

Worum geht’s? Der Stein des Anstosses:

Die KjG (Katholische junge Gemeinde), hat anlässlich der Europawahl eine jugendpolitische Aktion namens „YOUrope“ ins Leben gerufen – mit dem Anliegen, junge Christen zur kritischen Auseinandersetzung mit Europapolitik, Jugendrechten etc. einzuladen.

In den dazugehörigen Arbeitsmaterialien werden auch 13 Jugendrechte aufgeführt, die im europäischen Jugendforum formuliert wurden. Unter anderem geht es dabei um ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

Hier gäbe es aus theologischer Sicht natürlich jede Menge anzumerken und wohl auch zu hinterfragen (und im Übrigen auch zu bejahen); die KjG hat sich jedoch auf’s Zitieren dieser Rechte beschränkt. Das kann man nun gut oder schlecht finden. Darüber kann man auch streiten.

Feuer frei!

Für die selbsternannten Glaubenshüter war es auf jeden Fall der willkommene Anlass, der KjG (stellvertretend für alle im BDKJ vertretenen Jugendverbände) mal gehörig ans Bein zu treten. Auf den einschlägigen Internetseiten und in den sozialen Netzwerken wurden Forderung nach Abschaffung laut – oder wenigstens nach Entzug der finanziellen Unterstützung durch Kirchensteuermittel. Die KjG ist schließlich nicht mehr katholisch…

Durch den heftigen Wind sah sich die Bischofskonferenz gezwungen zu reagieren und bat die KjG die missverständlichen Passagen aus YOUrope zu entfernen, was schließlich auch geschah – nicht ohne eine ausführliche Stellungnahme.

Für die Moralwächter war (und ist) das jedoch lange nicht genug. Also machte man sich auf die Suche, um der KjG weiteres Fehlverhalten anzuhängen und sie zu torpedieren. Die Geschichte geht weiter… (Auf Links zu den einschlägigen Hetzseiten verzichte ich hier.)

Sichere Orte…

Sicher – man kann über solche Arbeitshilfen streiten. Man muss nicht jede Meinung teilen. Und ja, Jugendverbände schießen auch mal über’s Ziel hinaus. Hey – es sind Jugendverbände. Und junge Menschen ticken nun mal heftig. Sie sind nicht immer brav und auf Linie. Müssen sie auch nicht. Sie dürfen ihre Meinung haben und sie vertreten. Und solange wir (wir als Kirche) die jungen Leute ernst nehmen, sind sie auch bereit, uns ernstzunehmen. Solange haben wir eine Chance, auch unsere Message rüberzubringen.

Dazu braucht es sichere Orte, an denen die Jugendlichen sich mit der Welt und auch mit der Kirche auseinandersetzen und reiben können – um zu wachsen. Um schließlich auch im Glauben zu wachsen und mündige Christen zu werden. Jugendverbände sind solche Orte. Die KjG ist solch ein Ort. Kein perfekter Ort – denn perfekte Orte gibt es nur im Himmel.

Was mich anwidert: Der Moralporno!

Die perfide Akribie, mit der die selbsternannten Glaubenshüter und Moralwächter auf die Suche nach Verfehlungen und Häresien gehen. Sie rücken die KjG ins Rampenlicht, um mit dem Finger auf die vermeintlichen Ketzer zu zeigen – und stellen in Wirklichkeit sich selbst auf die Bühne: Sie zeigen das hassverzerrte Gesicht des Pharisäers, der auf den Zöllner herabschaut und betet „Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.“

Für mich schmeckt das nach Voyeurismus. Nach einem sich aufgeilen an der eigenen „Reinheit“. Es schmeckt nach … „Moralporno“.

Die Motivation tritt klar zutage: Es geht schon lange nicht mehr um ein Kritisieren (oder gar Aufbauen), sondern um Auslöschung.
Die Leichen im eigenen Keller hat man schon lange verdrängt. Es macht doch viel mehr Spaß, den deutschen Jugendverbänden mal so richtig in die Fresse zu schlagen. Die KjG hatte halt das Pech, als erste in der Schusslinie zu stehen…

Der Skandal

„Skandal um KjG“ – so ähnlich titelt ein einschlägiger Nachrichtendienst. Der weitaus größere Skandal ist dieser: Der Skandal des puren Hasses. Der Skandal der Lust auf Vernichtung.

So sitze ich hier, schüttele angewidert den Kopf und habe nur noch eine Frage: Wer hat euch damit beauftragt, Gerichtshof zu spielen?

Was Papst Franziskus dazu sagt…

Hier geht’s zur Fortsetzung…