Mama mach die Augen auf…


In Messdienerfreizeiten gibt es regelmäßig einen Hit, den die Kids am laufenden Band und mit voller Inbrunst singen. Bei unseren Autofahrten in den letzten sieben Tagen gab‘ es sogar ein passendes Ritual dazu: Wir steigen ein, schnallen uns an – und sind noch nicht vom Hof runtergefahren, da tönt es schon von den Rücksitzen „Kaplaahaan – kannst du noch mal den Sido anmachen?!“.

Und dann geht es los! Die Karre bebt und die Kinder singen lauthals: Heey… Mama mach die Augen auf. Treib mir meine Flausen aus. Ich will so gern erwachsen werden und nicht schon mit 18 sterben. Heey… Papa mach die Augen auf. Noch bin ich nicht ausm Haus. Du musst trotz all der Schwierigkeiten Zuneigung und Liebe zeigen.“

Dieses Lied hat es echt in sich! Es geht um Kinder, die alleingelassen sind und auf die schiefe Bahn geraten – mit allem was dazugehört: Drogen, Sex, Gewalt, Hass,… Und es geht um den Herzenswunsch dieser Kinder: Daß ihre Eltern endlich die Augen aufmachen und für sie da sind – ihnen die Liebe schenken, die sie brauchen.
Eins kann ich euch sagen: Wenn ihr diesen Text hört – und hinter euch eine Bande 10jähriger Kinder sitzt, die es lauthals mitsingt, läuft es euch kalt den Rücken runter!

Richtig krass wurde es dann bei unserer Eucharistiefeier am Samstag! Ich habe das Lied zur Predigt kurz eingespielt und danach die Kids interviewt, worum es da überhaupt geht. Wir Betreuer waren sprachlos: Unsere Kinder haben den Inhalt tatsächlich voll und ganz erfasst. Selbst die eher unaufmerksamen Kids waren voll dabei, haben sich eingebracht und ihre Meinung gesagt.

Dann habe ich den Kids erzählt, daß es einen Menschen gibt, der immer die Augen auf hat. Der immer für sie da ist – und uns niemals alleine lässt. Der mit uns durch dick und dünn geht und ein echter Freund ist: JESUS! Ich habe ihm die Stimme geliehen: „Eben im Evangelium hat er den Petrus dreimal gefragt ‚Liebst du mich?‘. Und jetzt fragt er dich: ‚Willst du mein Freund sein?'“
Ich habe den Kids in die Augen geschaut und ihre Reaktion abgewartet – und die hat mich sprachlos gemacht: Alle sitzen da mit großen Augen – mucksmäuschenstill. Und zwischendrin Kinder die ganz deutlich mit dem Kopf nicken – „Ja, ich will!“…

Das war echt der Hammer! Ein Gottesdienst ohne die „Friede-Freude-Eierkuchen“-Themen, die sonst so gerne bei Kinderpredigten verbraten werden. Und die Kids waren voll dabei.

Nach dieser Eucharistiefeier steht eins für mich fest: Liebe Eltern & Seelsorger, unterschätzt niemals eure Kinder – denn ihr Verstand läuft manchmal auf Hochtouren und ist vollkommen klar! Gebt ihnen einen roten Faden und sie hören besser zu als manche Erwachsene, die die Predigt gerne mal als Gelegenheit für ihre Augenpflege nutzen. Macht die Augen auf…!

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