Seelsorger gesucht…

In den letzten Wochen haben mich unabhängig voneinander mehrere Jugendliche und Erwachsene aus verschiedenen Pfarreien unseres Bistums angeschrieben und angesprochen. Per Mail, per Facebook und direkt. Sie alle erzählen mehr oder weniger die gleiche Geschichte…

Sie berichten von Seelsorgern (meistens Pfarrern), die in ihrer eigenen kleinen Welt leben und ihre Gemeinden – vor allem die Jugendlichen – links liegen lassen und bestenfalls ignorieren. Von Priestern, die inbrünstig Liturgie feiern und Sakramente spenden, sich aber nicht um Seelen sorgen. Von Pfarrern und Kaplänen, die ihre Ministranten zwar als Statisten im Gottesdienst sehen möchten, aber nicht verstehen, dass die Kinder und Jugendlichen sich mehr wünschen. Dass sie mehr brauchen: Unterstützung. Wertschätzung. Respekt. Seelsorge! Während die Minis wenigstens in manchen Fällen noch ab und an ein fades „Danke“ hören, wird Jugendlichen aus Verbänden gleich die kalte Schulter gezeigt. Die sind eh’ nichts wert…

Da erzählen mir engagierte junge Leute und Erwachsene, dass sie das Gespräch mit ihren Pfarrern gesucht haben. Dass sie Unterstützung angeboten haben und abgewiesen wurden. Dass sie um Hilfe gebeten haben, aber nicht gehört worden sind. Diejenigen, die es gewagt haben, Kritik zu äußern, werden mit Verachtung gestraft. Wie kann man es wagen, einen Priester zu kritisieren?

Wie kann ich es wagen, all das hier zu schreiben? Wie kann ich es wagen, meine Mitbrüder und Kolleg/innen öffentlich zu kritisieren?
Ich wage es. Weil ich ratlos bin und keine andere Lösung finde. Die (jungen) Leute schreiben mich an, weil sie nicht wissen, an wen sie sich sonst wenden sollen. Ich hoffe, dass wenigstens der Ein oder Andere sich angesprochen fühlt und das zum Anlass nimmt, seine Art der „Seelsorge“ zu hinterfragen.

Liebe Mitbrüder, liebe Seelsorger/innen. Die jungen Leute (und auch manche Erwachsene) schreiben mir, dass sie kurz davor sind, alles hinzuschmeißen. Dass sie Angst haben, ihren Glauben zu verlieren, weil sie sich in ihrer Pfarrei verlassen fühlen – wie Schafe, die keine Hirten haben. Dass sie geistlich am Verhungern sind.
Lasst nicht zu, dass das passiert. Nehmt Eure Verantwortung ernst. Hört zu. Macht die Augen auf. Seid Seelsorger/innen.

Liebe Jugendliche, liebe Erwachsenen, die Ihr mir Mails schreibt und mir Eure Geschichten erzählt. Lasst nicht zu, dass Euer Glaube von unfähigen Seelsorger/innen zerstört wird. Sucht Euch Orte, an denen Ihr auftanken könnt. Haltet Euch an Gott fest – er lässt Euch nicht im Stich. Er ist für Euch da. Immer.

Seid gesegnet,
Carsten.

P.S.: An dieser Stelle ein ganz fettes Dankeschön an alle Priester und Seelsorger/innen, die wirklich für ihre Jugendlichen und Gemeinden da sind. Ihr werdet gebraucht – und Eure Arbeit lohnt sich!

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10 comments

  1. LIeber Carsten,
    ich habe mir schon überlegt, ob ich das was ich jetzt schreibe auch öffentlich tun soll. Aber ich werde es jetzt einfach tun:
    Wenn ich unsere Messdiener fragen würde, wie sieht es aus mit eurer Beziehung zu unserem Pfarrer, fühlt ihr euch vernachlässigt, gibt es bei uns eine Seelsorge. Ich bin mir sicher, dass viele sagen würden, o.k. Pfarrer? Wo ist der? Wann ist der da? Du bist doch da – aber der Pfarrer, naja!
    Ich denke, es liegt oft auch einfach daran, dass die Minis die Priester gerade noch während der Gottesdienste sehen. Wir haben hier einen sehr guten Pfarrer. Aber wann hat heute ein Pfarrer noch wirklich Zeit für die Seelsorge. Wann kann er sich wirklich noch um seine Minis kümmern? Klar kommt unser Pfarrer, wenn ich ihn einlade und er Zeit hat in die Messdienerstunde – das kann er sich aber nur selten erlauben. Ist alles so richtig schade geworden, auch für mich, die oft auch Fragen hat.
    Trotz aller Zeitnot, glaube ich, gehören wir aber noch zu den Pfarreien, in denen der Pfarrer froh und stolz ist auf seine Minis!!!

    1. Hallo Steffi.
      Danke für Deinen Hinweis. Mir geht es im Blogpost nicht um das Problem, das Seelsorger/innen immer mehr überlastet sind (das ist tatsächlich ein großes und drängendes Problem), sondern um jene Seelsorger, denen die Bedürfnisse ihrer Gemeindemitglieder schlichtweg egal sind.
      Schön, dass Du da andere Erfahrungen machst…

      LG 😉

  2. Lieber Carsten!
    Dann sag mir mal, weshalb ich, Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Dudenhofen-Römerberg, mir von meinem Vorgesetzten sagen lassen muss, dass die Bistumsleitung der Meinung ist, dass es nicht meine Aufgabe ist Messdienerstunden zu halten und dass ich das bleiben lassen soll. Auch die Fahrten, die ich jedes Jahr mit den Messdienern udn der KJG unternehme, sind ein Dorn im Auge. Ich habe hier 6 Messdienerstunden und ab November kommen noch zwei dazu. Das ist nicht alles an Jugendarbeit. Viele Gruppenleiter machen ebenfalls Messdienerstunden, wir haben drei große Jugendgottesdienste im Jahr, ich lass mirs nicht nehmen meine Messdiener selber in den Europapark zu fahren mit dem Omnibus und in ihre Lager zu bringen, abzuholen. Dieses Jahr konnte ich auch im Herbstlager der Dudenhofener einen Tag lang im Lager dabei sein und die Hl. Messe mit ihnen (jugendgemäß natürlich) feiern. Ach ja: Und Omnibusfahren soll ich laut Bistumsleitung auch nicht. Wie passt das zu dem, was Du forderst? Seid Ihr Euch in der Bistumsleitung in Speyer nicht einig? Und wenn ein Messdiener Sorgen hat, bekommt er immer einen Termin bei mir zum Gespräch. Schon mal überlegt, dass manche meiner Kollegen einfach aufgeben, weil: Wenn Du Jugendarbeit machst, hast Du immer Feinde, die aus dem erzkonservativen ewiggestrigen Lager kommen und Rückendeckung der Vorgsetzten kriegst Du NIEMALS! Also Deine Bemerkung von den „unfähigen Seelsorgern“ möchtest Du bitte erweitern um die „ewiggestrigen Fundamentalisten“ und die „positionslose Diözesanleitung“. Denn ich kenne durchaus genug Kollegen, die sich alle Mühe geben und nur Prügel beziehen, weil sie angeblich „nicht fromm“ oder „nicht katholisch genug“ seien. Ich gehörte, solange ich am Viehstrich war, da selber auch dazu. Da, wo ich jetzt bin, ist es deutlich besser. Servus und LG, Josef

    1. Hallo Josef.
      Danke für Deinen Kommentar. Deinen Frust kann ich gut verstehen. Es gab und gibt auch immer wieder Missverständnisse bzw. Fehler in der Kommunikation mit der Diözesanleitung, bzw. mit Vorgesetzten.

      Zu zwei Bemerkungen von Dir möchte ich noch was anfügen:

      Du schreibst „Seid ihr euch in der Diözesanleitung nicht einig?“ Dazu möchte ich klar stellen, dass ich nicht in der Diözesanleitung bin und meine Artikel auf dieser Seite als Privatperson und Seelsorger schreibe 😉

      Du meinst, die Diözesanleitung sei positionslos. In meinen regelmäßigen Gesprächen mit dem Bischof habe ich einen anderen Eindruck. Dort macht er mir gegenüber immer wieder deutlich, dass ihm gerade die Jugendseelsorge und die Berufungspastoral (in einem offenen, nicht engführenden Sinn) ein sehr wichtiges Anliegen sind. Das glaube ich unserem Bischof – und ich bin sehr dankbar dafür, dass wir in Speyer einen Bischof haben, der gut zuhören kann und sehr vieles zulässt.

      Herzliche Grüße,
      Carsten.

  3. Ich habe Gänsehaut bekommen, als ich Deinen Text gelesen habe. Mir fehlen die Worte, weil Du alles gesagt hast. Und das meine ich im positivsten Sinn.
    Danke!

  4. Lieber Carsten und alle die, wie ich gelegentlich deine Gedanken lesen,
    Wir hatten gestern morgen Fachkonferenz Frauen und haben genau über dieses Thema gesprochen, (man sieht es ist nicht nur ein Jugendthema, sondern betrifft alle Menschen die uns als Seelsorger/innen erleben und brauchen). Eine Kollegin bringt es mit der Frage auf den Punkt „Glauben wir?“ Nicht „Leben wir was wir Glauben?“ Sondern „Glauben wir?“ Wenn wir wirklich an Gottes Evangelium glauben und uns dafür einsetzen, dann kann es so was, wie du es lieber Carsten beschreibst nicht geben. Wir haben einen Auftrag, sind berufen am Dienst für die Menschen. Mein alter Chef sagt immer „zum dienen sind wir berufen nicht zum herrschen“ er bezieht es vor allem auf die Priester, ich beziehe es auf die ganze Kirche. Also beginnen wir endlich selbst zu glauben was wir verkünden, daraus zu leben und uns im Vertrauen auf Gott nicht vor den Menschen und unserer Aufgaben zu fürchten.
    LG Gerlinde (Gemeindereferentin im Bistum Trier)

  5. Danke für diesen mutigen Artikel. Unsere Kirche hat eben noch ganz andere Probleme als zu teuere Bischofshäuser.
    In meinem Blog habe ich auf diesen Beitrag verlinkt.

  6. Hallo,
    Schade… der Artikel scheint mir sehr einseitig und nicht differenziert.
    Wissen eigentlich die Leute was heute ein Pfarrer, der seine Arbeit nur halbwegs gut machen möchte, dieser zu leisten hat?
    Ich frage mich schon, wie ein Pfarrer (oder ich spreche besser von mir) – wie ich noch eine vernünftige Ministrantenpastoral leisten soll. Bei weitem ist das nicht mehr möglich und gerade weil ich weiß, wie defizitär meine Arbeit diesbezüglich ist, ärgere ich mich über diesen Artikel.
    Es sind ja nicht nur die Ministranten. Die Senioren, die Vereine, die Verbände, die Kindergärten, die Sakramenten spendung, Beerdigungen… etc. ich denke ich muss das hier nicht aufzahlen (oder vielleicht doch, weil ich das Gefühl habe, dass gerade in unserem Ordinariat (nicht Speyer) überhaupt niemand mehr weiß, was die Pfr. tun müssen. Ich glaube sogar gar nicht mehr wissen wollen.)
    Und wenn ich in die Jugendämter und auch das Minireferat (in unserer Diözese) schaue, dann kommen da Flyer und eine Hand voll Angebote – viel mehr aber auch nicht. Und wenn dort eine Wochenende oder Freizeit angeboten wird, dann wird dort genauso viele Tage, wie die Veranstaltung gedauert hat, Freizeitausgleich genommen.
    Wenn ich ein Wochenende veranstalte, habe ich meistens am ersten und am letzten Tag noch Verpflichtungen; muss am freien Tag nacharbeiten.
    Davon abgesehen, dass ich mittlerweile selbst für einzelne Tage kaum eine Messvertretung mehr finde. Und ich an einem Wochenende nicht alle Messen ausfallen lassen kann.

    Und wenn hier pauschal gefordert wird, dass Pfr sich mehr um die Ministranten kümmern sollen, so scheint mir das sehr einseitig. Es gibt halt auch noch die anderen Gruppen, die genauso fordern und sich übrigens auch genauso beschweren. Vielleicht ist es der unterschied, dass diese das eher gegenüber dem Pfr tun als Jugendliche.

    Und auch an sich sollten manche Beschwerden hinterfragt werden. Manche Ehrenamtliche (bei aller Wertschätzung für die vielen, die unser Pfarreileben aufrecht erhalten) nehmen sich auch sehr wichtig und meinen der Pfarrer muss alles genauso machen wie sie es wollen. – Und wehe der macht das nicht!

    In seelsorglichen Fällen bekommt bei mir jeder und sofort einen Termin, aber ich erlebe auch oft, dass Leute zu den unmöglichsten Zeiten vollkommen belangloses Zeug besprechen wollen und dann zutiefst beleidigt sind, wenn man sie bittet an einem anderen Tag zu kommen. Und dann werden Dinge erzählt, die so einfach nicht stimmen.

    Wie gesagt, ich meine die Situation ist nicht so einseitig anzusehen. In jedem Fall müssten auch die Pfarrer gehört werden, denen dies vorgeworfen wird. Ich bin mir fast sicher, dass sich in vielen Fällen die Angelegenheit relativiert.

    Viele Grüße
    Thomas

  7. Lieber Carsten!
    Mich erleichtert das ein wenig, weil ich jetzt erfahre, daß meine Erfahrungen kein Einzelfall waren. Ich habe dieses abweisende Verhalten auch oft erfahren, immer wieder, wenn ich in der Pfarrgemeinde meine Hilfe angeboten habe. Und ich dachte immer, es läge an nur an mir. Danke für deine Texte und Artikel.
    Viele Grüße, Helena

Dein Senf...