Ganz großes Kino: Was sich meine Kirche in den letzten Wochen in Sachen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit leistet, bringt mich beim Lesen, Hören und Sehen der verschiedenen Informationskanäle regelmäßig zum Erröten. Vor Scham.

In der Heute-Show vom 25.01. führt Oliver Welke konsequenterweise eine neue Rubrik ein: „Wollen die Katholen eigentlich, dass die Leute massenhaft aus der Kirche austreten, oder was ist da los?“ Eine satirischer Seitenhieb, der angesichts der Kommunikationsdesaster der vergangenen Wochen durchaus passt.

Thema „Aufklärung von Missbrauchsfällen in der Kirche
Der Abbruch der Zusammenarbeit mit Christian Pfeiffer hat mehr als gute Gründe. Kein Problem – wenn man’s richtig kommuniziert hätte. Der Shitstorm wäre nur halb so groß gewesen, wäre die DBK offensiv nach vorne geprescht: „Die Zusammenarbeit ist aus diesen und jenen Gründen nicht mehr möglich. Beide Seiten haben da was verbockt und Fehler gemacht. Dafür entschuldigen wir uns. Da für uns die Aufklärung und Weiterarbeit an diesem Thema absolute Priorität hat, präsentieren wir Ihnen heute unsere neuen wissenschaftlichen Partner…“ Eine Pressemeldung, die es so leider nicht gegeben hat. Statt dessen steht Kirche als ein lahmer Apparat mit internen Abstimmungskonflikten da, der sich selbst in der Defensive verhält wie ein Elefant im Porzellanladen.

Thema „Katholische Kliniken verweigern Vergewaltigungsopfer die Behandlung
Ich halte es für ein gutes Recht, dass sich katholische Kliniken eigene ethische Leitfäden geben (worüber man im Einzelnen natürlich trefflich streiten kann). Die „pro-Life“-Einstellung der Kirche halte ich ebenso für richtig und wichtig. Das Leben lässt sich jedoch nicht immer mit ethisch motivierten Handlungsstrategien auf einem Blatt Papier beschreiben. Es gibt nun mal akute Notfälle und Ereignisse, bei denen auch unsere kirchliche Ethik an ihre Grenzen stößt. In solchen Fällen hat die so gerne geschwungene Moralkeule nichts verloren. Hier ist direkte Hilfe für das Vergewaltigungsopfer angesagt…

Thema „Pogromstimmung gegen die katholische Kirche
Hallo?!? Diese Vokabel ist eindeutig besetzt. In der Vergangenheit sollte doch mehr als klar geworden sein, das solche Vergleiche mit der NS-Zeit meilenweit am Ziel vorbei schiessen. Man kann über „negative Stimmungsmache“ sprechen (ein Eindruck den ich teile und für sehr bedenklich halte) aber nehmt doch bitte solche besetzten Vokabeln aus der Diskussion raus und sperrt sie in einen tiefen Keller.

„Aber die bösen Medien. Die machen uns doch nach Strich und Faden fertig.“
Ja, klar. Natürlich machen sich die Medien über uns lustig. Natürlich wird polemisiert und der Satirebogen oft genug aufs Deftigste überspannt. Da reg‘ ich mich auch auf, bin stinksauer und frage mich, wo denn bitte die journalistische Seriosität geblieben ist. Aber wir fordern’s durch unsere andauernden Griffe in die Kloschüssel ja regelrecht heraus. Und weinen dann über die böse Presse, die uns unsere eigenen Fehler genüsslich unter die Nase reibt.

Dazu kommt ein weiterer Nebenkriegsschauplatz: Das Internet. Jede Menge „katholische“ Blogs und Nachrichtenseiten stimmen ins Gejammer ein und schiessen aus vollen Kanonenrohren auf die böse Presse zurück: „Wir sind doch die Opfer der Medien“.
Das erinnert mich – um auch mal einen politisch inkorrekten Vergleich zu machen – an den kalten Krieg: „Wir (die wahren Katholiken) sind die Guten; die Anderen (die Welt, diese linken Socken, die Medien, die PolitikerInnen,…) sind die Bösen.“ Dabei wird verbal hochgerüstet und mit Tiefschlägen nicht gespart. Oft mit der Begründung „Wenn die Anderen uns fertig machen, werden wir uns ja wohl noch wehren dürfen„. Dass der Ton die Musik macht, wird nach Kräften ignoriert.

Wie kommen wir da wieder raus?
Durch eine offene und ehrliche Kommunikation. Indem wir eigene Fehler im Verhalten klar benennen und nicht warten, bis uns irgendwer die Hose runterzieht. Indem wir lernen, offensiv und positiv mit Shitstorms umzugehen; denn die sind Teil der Realität und lassen sich nun mal nicht schweigend oder schmollend aussitzen.
Vor allem: Indem wir gute Arbeit leisten und nicht ständig um uns selbst kreisen. Indem wir den Menschen etwas zu sagen haben, das tatsächlich was mit ihrem Leben zu tun hat.

Wir haben die genialste Botschaft aller Zeiten – und schaffen es doch regelmäßig, die Verpackung Scheisse aussehen zu lassen. Peinlich…

Bildquelle: flickr.com/photos/oloremo/