Weniger Kolping – oder mehr?

Erzbischof Ludwig Schick meint, wir bräuchten mehr Kolping. Da stimme ich ihm gerne zu. Wir bräuchten auch weniger Kolping-Kirchenpolitik, weniger Kolping International, etc. – Einspruch, Euer Ehren!

Bei einem Arbeitseinsatz der Kolpingjugend in Brasilien habe ich mich entschieden, den Weg ins Seminar zu wagen. Der selige Adolph Kolping hat eine nicht unwesentliche Rolle in meiner Berufungsgeschichte gespielt. Ich kenne einige junge (und alte) Menschen, Herr Erzbischof, die durch die Kolpingfamilie und das Kolpingwerk eine geistliche Heimat gefunden haben – was in unserer Kirche leider gar nicht so einfach ist. Kolping ist eine starke Familie; eine Gemeinschaft, in der der Glaube lebendig ist.

Kolping ist ein Ort, an dem ich zuhause bin. Und ich vermute, lieber Mitbruder Ludwig, dass auch du es nicht gerne hast, wenn man abfällig über Dein Zuhause spricht.

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3 comments

  1. … ich glaube nicht – und es ist auch nicht so – , dass die Formulierungen des Bischofs abfällig waren. Er hat sich auch nicht gegen Kolping ausgesprochen, sondern darauf hingewiesen, wie groß Verwaltung und Bürokratie mitlerweile geworden sind. Und gerade in diesem Punkt sollten wir einmal darüber nachdenken, ob das der richtige Weg in die Zukunft ist, dass die Kolpingsfamilien – auch in ihrem Engagement (bis hin zur Auflösung von Kolpingsfamilien) – immer kleiner werden, der Verwaltungsapperat dagegen aber immer größer.

    1. Mit dieser Begründungschiene kann man genau so gut fordern, dass es weniger Bistum und weniger DBK und weniger Vatikan Dikasterien etc. geben sollte und mehr Christus…
      Dass es mehr „Kolping“ und mehr „Christus“ geben sollte ist per se richtig und unterstützenswert. Allerdings ist die Argumentationsschiene, die der Erzbischof da fährt m.E. total danebengegriffen. Es ist nun mal eine Tatsache, das große Organisationen (und die Kirche, die Bistümer aber auch Kolping sind eben solche) irgendwo vernetzt und organisiert werden müssen.

      Subsidiarität wäre hier das korrekte Thema, über das man sprechen könnte. Und da ist Kolping sehr gut dabei (wenn es sicher auch manchmal Nachbesserungsbedarf geben könnte). In Rom dagegen wird diese leider viel zu häufig vernachlässigt.

  2. Ich kann die Argumentation von Erzbischof Schick nachvollziehen. Es ist eine berechtigte Frage (und Anklage?!), die auf ein übermaß an Bürokratie hinweist. Natürlich brauchen wir eine Kasse (die es ja auch bei den Aposteln gab), nur muss man auch schauen, das ALLE, die im Apparat (mit)arbeiten (vor allem die Priester (!) und Bischöfe (!!!)) sich dadurch nicht immer mehr aus der Seelsorge zurückziehen, was leider oft genug vorkommt. Wir brauchen Bischöfe, Priester und Laien auf der Straße, nicht hinterm Schreibtisch (wenn man es etwas spitz formuliert). Ich kenne mich mit Kolping nicht so sehr aus, aber ich glaube, dass man das Institutionsproblem der Kirche in Deutschland sich auch auf die großen Vereinigungen überträgt.
    Trotz allem bleibt das ein Spagat. Gerade bei International agierenden Vereinigungen braucht man stützende Strukturen.
    Vielleicth solllten wir uns zu Herzen nehmen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

    PS: eine kleine Anekdote aus einem deutschen Bistum: Vor einigen Jahren mussten sich das Bistum aus Spargünden von mehreren hundert Angestellten trennen. Die Erfahrung einiger der dort ansässigen Kleriker damit: Alles läuft genauso wie zuvor. (hat es also was gebracht!?), eine zweite kleine Anekdote aus demselben Bistum: Aus dem Kloster X meldet sich eine Person an das Bistum. Frage des Bistums: Warum melden sie sich bei uns? Ihr Kloster gehört doch zum Nachbarbistum Y, oder?
    Antwort der Person: Nein, wir gehören schon immer zu Ihnen…, aber endlich nehmen sie mal Notiz von uns…

Dein Senf...