Kirche von gestern?

Der „Kaplan“ (nein, nicht ich) redet über das Aussterben der „traditionellen Wohlfühlgemeinde“, deren Feindbilder (die neuen geistlichen Gemeinschaften) und die Zukunft der Kirche.

Ganz schön bissig ist sein Artikel – alles andere als bequem für die Mehrzahl unserer westeuropäischen Gemeinden, zu denen ja auch ich gehöre: In einer solchen „typischen“ Gemeinde bin ich aufgewachsen, habe meine Berufung gefunden und arbeite heute in eben dieser Kirchenstruktur. Im Laufe der Jahre sind mir dort etliche Menschen begegnet, die es mit ihrem Glauben ernst meinen. Die Kraft aus ihrem Gemeindeleben schöpfen – gerade auch geistliche Kraft. Es gibt also nicht nur Negatives, sondern auch sehr viel Positives zu entdecken.

Eines muß ich jedoch offen zugeben: Hätte ich nicht das Glück gehabt, neue geistliche Aufbrüche wie das Neokatechumenat, die Gemeinschaft von Jerusalem oder die Brüder von Taizé kennen zu lernen – ich wäre heute nicht hier. Diese Erfahrung habe ich für mein geistliches Leben unbedingt gebraucht – und werde auch in Zukunft nicht ohne sie auskommen.
Euer nachdenklicher Carsten.

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12 comments

  1. „Der Kaplan“ hat schon ganz Recht.

    Ein Priester des Opus Dei wird in den nächsten Tagen eine mehrstündige Zugreise auf sich nehmen, um eine gute Freundin von mir, ein Mitglied der Gemeinschaft, zu besuchen und geistig zu betreuen.
    Er tut das einmal im Monat und sie treffen sich im Sommer auf einer Parkbank, im Winter in einem Bistro, weil die Gemeinden hier am Ort keinen Platz für einen Opus Dei-Priester haben.

    Soviel dazu.

  2. Auch ich bin in einer ganz normalen deutschen Diasporapfarrei sehr glücklich aufgewachsen. Auch heute gibt es zum Glück unzählige Katholiken, die in einer ganz einfachen Treue und Liebe zu Jesus Christus, dem Herrn der Kirche stehen und oftmals eher im Hintergrund ein Mindestmaß an geistlichem Leben in den Gemeinden ermöglichen. Was mich stört, ist die Haltung derjenigen, die sich in verantwortlichen Positionen als engagierte Laien bezeichnen und die Augen vor dem offensichtlichen Glaubensverlust verschließen. Damit nicht genug: Sie stehen allem und jedem grundsätzlich skeptisch gegenüber, der sich für einen Neuanfang aus dem Geist des Evangeliums einsetzt. Deshalb braucht Deutschland den katholischen Untergrund! 😉

  3. Hi Kaplan,

    bin gestern erstmals auf Deinen Blog gestoßen. Den Gedanken mit dem Untergrund haben wir schon des längeren bei uns diskutiert.
    Wird später in der Tat einmal wirklich nötig sein, dessen bin ich sicher.

    Sorry, Carsten, dass ich dem Kaplan über Deinen Blog hier schreibe und nicht über seinen eigenen. Mir gelingt das nicht, wegen dieses Google-Blog-Anmeldezeugs, das mich irgendwie nicht will.

    Gruß, Johannes

  4. is klar. Innerhalb der Kirche braucht es genauso Mut, eine klare Haltung zu zeigen, wie außerhalb.

    Das mit dem Untergrund haben wir bei uns schon des öfteren besprochen. Es werden womöglich Zeiten kommen, da ein solcher nötig sein wird.

    Gruß Johannes

  5. In dem Artikel ist auch das Stichwort Neokatechumenat gefallen und es erinnert mich an etwas eher unerfreuliches.

    Ich habe mich mal ein wenig damit beschäftigt und da ist mir die deutsche Webseite unter http://www.neokatechumenat.de aufgefallen.
    Als interessierter Mensch habe ich mir einiges angeschaut und bin leider auf Links gestoßen die ins leere führten. Die Seite ist etwas älter (2002) und das kann dann schon mal passieren.
    Nun habe ich mich als Interessierten bei der angegebenen Adresse gemeldet und angeboten unkompliziert zu helfen. Ich habe nie eine Antwort erhalten. Nun muss ich dazu sagen das die Gemeinde die diese Seite betreut eine Nachbarsgemeinde ist und auch ein persönlicher Kontakt wohl kein Problem gewesen wäre.
    Und ein wenig Hilfe könnte der Seite nicht schaden, denn die haben nämlich immer noch nicht mitbekommen das wir einen neuen Papst haben.

    Egal – es gibt andere Möglichkeiten was für meine Kirche zu tun. Ich finde es nur schade, denn an sich ist der Gedanke der hinter dem „Neokatechumenalen Weg“ steht sehr gut und sollte doch etwas mehr Beachtung finden.

  6. Ich lebe auch in einer ganz normalen Pfarrei. Nach vier Jahren PGR habe ich nicht erneut kandidiert. Es war keine leichte Entscheidung, nein zu sagen. Doch ich wollte mich daran nicht mehr beteiligen.
    So hat mir z.B. der Versuch in der Firmvorbereitung andere Wege zu gehen, indem ich auf mehr Katechese und den Besuch von Gottesdiensten (dh. aneignen kirchlicher Praxis) setzte eine ganze Menge Prügel eingebracht. Der Pfarrer hat sich nach anfänglicher Begeisterung sehr schnell auf die Seite der Kritiker geschlagen.
    Dabei ging es mir darum, daß die Jugendlichen die Kirche, die Gemeinde (durch Praktika) und den Glauben wirklich kennenlernen, was er zunächst ganz toll fand.
    Dazu muß man sich nun einmal mehr Zeit nehmen. Das war zu viel.

    Ich habe noch mehrere ähnliche Erfahrungen in anderen Bereichen der Gemeindearbeit gemacht. Der Kernpunkt der Arbeit unseres damaligen Pfarrgemeinderates war völlig Communiolastig, um es mal so vorsichtig auszudrücken. Bei unseren Nachfolgern ist es nicht anders.

    Ich habe mich zurückgezogen, traurig, etwas frustriert, doch am Ende versöhnt mit der Wirklichkeit. Es ist wohl so, daß die „normale“ Pfarrgemeinde ein Auslaufmodell ist.

    Mein Fazit ist es einfach abwartend sozusagen in den Untergrund zu gehen. Es gibt eine Kirche in der Nähe, in der ich gerne auch Werktags, die Hl. Messe mitfeiere. Ansonsten schalte ich erst einmal auf „unsichtbar“. Ob das morgen auch noch so ist, weiß ich nicht.

  7. Hallo Sttn. Schade, daß sich niemand bei dir gemeldet hat. Wie gesagt war für mich die Zeit beim Neokatechumenat sehr wertvoll – da möchte ich nichts vermissen…

  8. Was den Pfarrgemeinderat angeht, so ist es in Deutschland leider so, daß er meistens (sicher durch die Schuld der Pfarrer) in einem völlig falschen Selbsterverständnis sein Dasein fristet.
    Alle Anliegen der unmittelbaren Seelsorge sind einzig und allein der Verantwortungsbereich des Pfarrers. Natürlich wird der Pfarrer den PGR als beratendes Gremium hören, aber abzustimmen und zu entscheiden gibt es hier für den Pfarrgemeinderat nichts.
    Allein was das Laienapostolat betrifft, d.h. das, was die Laien über den Bereich der unmittelbaren Pfarrei hinaus übernehmen wollen, haben sie ein Mitbestimmungsrecht. Das war ja das große Anliegen des letzten Konzils, daß die Laien in ihrem Weltengagement etwas freier agieren können. Vielen Pfarrgemeinderäten kommt allerdings so schnell gar nicht in den Sinn, daß sich außerhalb ihres kleinen gemütlichen Kosmos jemand für den Glauben an Gott interessieren könnte, bzw. sehnsüchtig darauf wartet.

  9. Mein bester Freund in Bochum war eine Periode Pfarrgemeinderatsvorsitzender. Das hatte sein Ende, als er seinen schlichten Glauben an das Fegfeuer bekannte. Das geht natürlich nicht!
    Über die Gemeindereferentin wurde ihm gesagt, dass da was unhaltbar sei.

  10. Lebe ich eigentlich so sehr im Paradies:
    Seit 5 Jahren in einer neuen Gemeinde (ganz normal aber nicht studienratlastig), seit einemjahr PGR-Vorsitzender.
    Wir haben einen neuen Sachausschuß „Glauben(sverkündigung)“, wir machen seit Jahrzehnten die erste Fronleichnamsprozession usw.

    falls ich im Paradiese lebe: deo gratias

    falls nicht, habe ich festgestellt: Manchmal muß man fromme Dinge einfach sagen und tun und die Umwelt sagt „eigentlich wollten wir das auch schon lange!“

  11. War vor 30 Jahren in einem Kath. Jugendamt als Jugendpflegerin tätig.
    Wurde dort vom Jugendseelsorger gemobbt. Ging in ein Kloster, weil ich fand dass nur noch beten hilft. Wurde dort entlassen, weil ich der Novizenmeisterin widersprach, und gefunden habe, dass das Hohelied ein von Gott inspiriertes Buch sei und nicht ursprünglich rein weltliche Literatur. Mir wurde dort nicht genügender Glaube unterstellt, nicht reif genug, ich müsse an mir arbeiten und mein Kontakt zu Gott stimme nicht. Darüber habe ich mich fast 20 Jahre nicht beruhigen können.
    Eine Freundschaft mit einem Pater des gleichen Ordens endete dann als er selber Abt wurde und er mir vorlog, er habe sich schon zur Priesterweihe entschlossen nie eine geistliche Freundschaft mit einer Frau einzugehen.
    2001 suchte ich den offiziellen Weg zur Kirche zurück. Der Pfarrer, bei dem ich mich aussprach, kam zum Schluß mit seinen Gefühlen nicht klar. Er lehnte mich plötzlich und für mich zunächst unverständlich ab. Er zeigte mich bei der Bistumsleitung an und es folgte ein witziger Schriftwechsel mit der Leitung der Kirchenrechtsabteilung und dem Generalvikar.
    Meine Versuche hier in einer Gemeinde aktiv unter zu kommen schlugen fehl. Noch nicht mal Schaukästen ließ man mich putzen.
    Mittlerweile lach ich mich nur noch scheckig über die Borniertheit, die mir überall begegnet.
    Das Elend unsere Kirche liegt darin, dass wir einmal dem Menschen seine Göttlichkeit genommen haben und dies haben wir geschafft, indem wir unsere Gefühle abgespalten haben und diese Abspaltung nur zu verdrängtem Hass führt. Dabei weiß doch jeder halbwegs gescheite Mensch, dass sich Hass aus unterdrückter Liebe entwickelt.

  12. Drogie wspolnoty. Prosze by ktos kto umie mowic po Polsku odpisal mi na ten komentarz najlepiej na e-mail. Chciala bym dowiedziec sie gdzie sa w Bochum wspolnoty neokatechumenalne. Jest mi ciezko znalezc droge neokatechumenalna bo mieszkam w Bochum dopiero 3 miesiace i ucze sie dopiero jezyka niemieckiego. W Polsce nalezalam przez 3 lata do jednych z Kochlowickich (slaskich) wspolnot i bylam na etapie po 1 SCRUTINIUM. Mam niecale 18 lat a bardzo by mi zalezalo znow wstapic na droge bo nie mam tu zadnej stycznosci z droga neokatechumenalna. Wiec prosila bym o jaki kolwiek kontakt. Z gory bardzo dziekuje.

Dein Senf...