Licht-aus
Es ist eine Binsenweisheit: „Menschen meinen nicht immer das, was sie sagen und behaupten.“ Dieser Gedanke geht mir jedes Mal durch den Kopf, wenn ich das Positionspapier von Pegida lese. Da stehen einige Gedanken drin, die ich inhaltlich teile: „Pegida ist für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten.“ Super. Bin ich auch. Politisch verfolgte Muslime schließt man jedoch aus und sagt es nur hinter vorgehaltener Hand.

Es gibt weitere Gedanken, die ich ganz oder teilweise mittragen kann. Einer davon: „Pegida ist gegen Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!“ Ja! Genau! Und deshalb beziehe ich Position GEGEN Pegida. Denn ich habe den starken Eindruck, dass spätestens an diesem Punkt bei Pegida das, was gesagt wird, etwas völlig anderes ist, als das, was tatsächlich gemeint ist.

Gesagt wird (immer wieder), dass wir uns gegen einen radikalen Islamismus à la IS verteidigen müssen. Soweit komme ich mit. Gemeint ist: Wir tun das am Besten, indem wir uns gleich gegen alle Muslime schützen. Dadurch entsteht in den Reihen von Pegida ein Radikalismus, dem von braunen Gruppen kräftig Vorschub geleistet wird. Pegida bezieht also Position gegen eine bestimmte Form von Radikalismus, indem es eine andere Form von Radikalismus propagiert. Davon steht (man wäre ja auch blöd) allerdings nichts im Positionspapier.

Recht „amüsant“ finde ich noch die beiden folgenden Punkte: 1.) „Pegida ist für sexuelle Selbstbestimmung!“ (Gerne – aber was hat das bitte schön mit dem Abendland und der Islamisierung zu tun?) 2.) „Pegida ist für die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!“ (Aha. Deshalb laufen auch jede Menge rechte Gruppen mit, welche neuerdings totale Fans des Judentums sind).

Ich halte Pegida und Co. für gefährlich!
Wenn Gruppen Vorurteile hegen und pflegen; wenn aus diffusen Vermutungen, Unterstellungen und Befürchtungen ausgewachsene Ängste werden; wenn Menschen verschiedener Kulturen und Religionen einander ablehnen, breitet sich ein schwerer, dichter Nebel in den Köpfen und Herzen aus, der alles Licht verdrängt. Das Licht der Vernunft, der Akzeptanz, des Respektes, der Menschlichkeit.

Manche Christen meinen, sie könnten Gott vereinnahmen für eine Ideologie, die – egal, wie man es dreht und wendet – Muslime pauschal in Sippenhaft nimmt und als gefährlich einstuft. Hatten wir so eine Sache nicht schon mal in unserem Land? Damals war es der „böse Jude“, der uns bedroht hat…

Doch Gott lässt sich und seine Botschaft nicht für Sippenhaft und Pauschalverurteilungen verzwecken. Als Zeichen dafür wird der Kölner Dom während des Pegida-Marsches am 05. Januar dunkel bleiben.

Licht aus.
Zeichen setzen.
Gut so.

P.S.: Wenn Ihr Euch mal etwas ausführlicher mit den Themen Pegida und Fremdenhass auseinandersetzen wollt, empfehle ich Euch, die aktuelle Folge vom Podcast „Wrint“ anzuhören. Dauert knapp anderthalb Stunden und ist sehr hörenswert.

Bildquelle: Flickr, HKmPUA