Tag 20,1: Autofahren & Gastfreundschaft auf Brasilianisch

20130808-145625.jpgWieder mal habe ich eine lange Reise hinter mich gebracht: Gestern Morgen ging’s per Auto 5 Stunden lang quer durch den Bundesstaat Tocantins über die Transamazônica bis nach Imperatriz. Von dort aus mit dem Flugzeug wieder über 2000km gen Süden in den Bundesstaat Minas Gerais.

Für die weitere Reise habe ich mir in Belo Horizonte ein Auto gemietet. Einen VW Gol (ja, so schreibt man das ;-)).

Wer als Ausländer mit dem Auto durch Brasilien reist, braucht starke Nerven, Mut und viel Gelassenheit. Eine sinnvolle Straßenbeschilderung gibt es nicht. Dafür jede Menge Lombadas (Schwellen) und tiefe Schlaglöcher. Außerdem kann Dir jeden Moment ein suizidaler Straßenhund vor’s Auto laufen. Die gibt’s hier ein Masse.

Zum Glück haben mir die Brasilianer bescheinigt, dass ich zwar einen deutschen Pass habe, aber im Herzen ein Brasilianer bin. So konnte ich frohen Mutes und recht gelassen um Mitternacht durch die Millionenstadt Belo Horizonte tuckern ohne dass dabei Hunde, Autos oder Menschen zu Schaden kamen. Nach einer zweistündigen Pause auf einem “Rastplatz” kam ich gegen 09.00 Uhr Morgens endlich in der Nähe der Stadt Formiga (dt.: Ameise) an.

Wenige Kilometer vor meinem Ziel, einem Weiler Namens Fazenda Velha, gibt es einen kleinen See. Die Sonne ging gerade auf und nach 23 Stunden Reise klebte mir die Kleidung auf der Haut. Also beschloss ich, Baden zu gehen.

Dummerweise gibt es keinen direkten Zugang zum See. Nach einer halben Stunde Autofahrt auf Sandpisten um den See herum hält mich plötzlich ein älterer Mann an. Ob ich etwas suche, fragt er mich. “Ja, ich würde gerne baden” antworte ich und frage, ob man irgendwie an den See kommt.

“Komm mal mit” fordert er mich auf und führt mich ohne zu zögern in sein Haus. Er zeigt mir das Bad, ein Zimmer mit Bett und die Küche. Dann sagt er “Mach’s Dir bequem und nimm Dir, was Du brauchst”, wünscht mir viel Spaß und verschwindet wieder nach draußen.

Völlig perplex stehe ich da und freue mich über dieses Zeichen der Gastfreundschaft und das Vertrauen, dass mir dieser Mann schenkt.

Das Bad im eiskalten See und die heiße Dusche haben mir gut getan. Beim Hinausgehen entdecke ich den Hausbesitzer im Garten. Wir erzählen voneinander und stellen plötzlich fest, dass ich vor 14 Jahren schon einmal für einen Grillabend in seinem Haus zu Gast war, was wir beide vergessen hatten…

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