Ein Bild und seine Geschichte – 7

ArmutBei den Besuchen der Außenstellen der Pfarrei in Belo Jardim haben wir auch diese Familie kennen gelernt. In der engen und düsteren selbstgebauten Hütte leben sieben Menschen aus drei Generationen zusammen. Der Großvater ist schwer krank. Die Ärzte im Krankenhaus behaupten, sie hätten keine Ahnung, woran er leidet. Die Schwestern (und auch wir) haben da ein paar Fragezeichen; denn sein Fuß zeigt ziemlich eindeutige Zeichen, die auf Lepra hinweisen…

Bei solchen Besuchen komme ich immer ins Grübeln. Wie sieht das wohl aus, wenn eine Gruppe aus Deutschland solche Menschen besucht? Wecken wir (falsche?) Hoffnungen? Erscheinen wir wie sensationsgeile Touristen, die das Leid armer Menschen begafft?

Während meiner beiden Reisen durch Brasilien war ich öfter zu Besuch in Favelas und in den Hütten der Armen und habe dabei etwas Wichtiges gelernt (auch dieses Mal – mehr dazu gleich): Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ich als Tourist oder als Freund komme.

Den Armutstourismus, der besonders in großen Städten angeboten wird (z.B. als Favela-Tagestour), finde ich ekelerregend. Hier sind die Menschen meistens nur Objekte, die begafft werden. Man verdrückt eine Träne, schießt viele Fotos und zeigt diese dann stolz herum. Das war’s.

Ganz anders ist es, wenn ich als Freund zu Besuch bin. Wie hier: Schon lange vor unserer Anreise haben die Schwestern bei der Familie vorsichtig nachgefragt, ob sie mit einer Gruppe von Jugendlichen aus Deutschland zu Besuch kommen dürfen. Die Familie hat sich eine Bedenkzeit erbeten und schließlich zugestimmt. Als wir dann tatsächlich vor dem Haus standen, brachen sie in Tränen aus. Warum? Weil sie tief berührt und dankbar waren: „Wir haben nie gedacht, dass Ihr wirklich kommt. Wir konnten nicht glauben, dass Ihr Euch für uns interessiert.“

Diese Menschen mögen bitterarm sein – aber sie sind nicht dumm: Sie erkennen sehr schnell, ob die Besucher nur gaffen wollen. Für die Familie in dieser Hütte war es eine „Ehre“, zu erfahren, dass junge Menschen aus einer fernen Welt sich für ihr Leben interessieren. Für uns war es eine Ehre, für ein paar Minuten Gäste sein zu dürfen und einen kleinen Einblick zu bekommen…

Wir haben der Familie zum Abschied ein Segenslied geschenkt und sind danach sehr nachdenklich und still weitergefahren. Ich glaube, dieser Besuch hat in unseren jungen WJT-Teilnehmern einiges bewegt.

Denn Begegnungen wie diese begleiten Dich Dein Leben lang.
Sie wirken sich aus.
Graças a Deus.

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