Fastenzeit…

Montagmorgen. Ich habe beschlossen, ganz gemütlich von Zuhause aus zu arbeiten: Mit dem Laptop in den Sessel und den Gottesdienst für Aschermittwoch vorbereiten. Aber zuerst noch kurz den Facebookaccount und Twitter checken. Ein paar Nachrichten beantworten und am Kaffee schlürfen. Plötzlich – innerhalb von Minuten – bricht die Hölle los: Die Timeline rattert nur noch so runter. Etliche neue Statusmeldungen. Bis auf einmal gar nichts mehr geht…

Facebook ist abgestürzt. Warum? Weil ein 85 Jahre alter Mann in Rente geht. Der Papst hat seinen Rücktritt angekündigt. Das hat schon was von Situationskomik, oder? Obwohl die halbe Welt sagt, dass sie mit der Kirche und dem Papst nichts anfangen kann, schafft er es, Facebook abstürzen zu lassen. Respekt, heiliger Vater 😉

Mit der Arbeit war’s dann vorbei: Bis in die Nacht habe ich bei Facebook und Twitter Nachrichten gelesen und mich mit Leuten unterhalten. Manche haben Witze gerissen und sich über den Papst lustig gemacht. Die meisten aber waren – wie ich auch – tief beeindruckt. Selbst Menschen, die der Kirche fernstehen, waren beeindruckt von dem, was der Benedikt XVI. da gemacht hat.

Ich glaube, der Papst hat uns damit ein paar prima Impulse für den Aschermittwoch und die Fastenzeit mitgegeben…

„Auszeit“

Der Papst sagt: „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“

Krass – oder? Der Papst sagt, dass er sich lange Gedanken gemacht hat. Dass er sein Gewissen geprüft hat und dass er merkt, dass seine Kräfte nicht mehr ausreichen. „Ich schaffe das nicht mehr. Ich brauche eine Auszeit!“

Geht’s euch manchmal auch so? Es gibt Zeiten in meinem Leben, die sind so anstrengend, dass ich merke wie mir die Kraft ausgeht. Die Energie ist weg. Ich bin ausgepowert. Ich brauche dringend eine Auszeit.

Die Fastenzeit ist so eine Auszeit. Eine Erinnerung, mal runterzukommen. Eine Einladung, mal wieder auf das in meinem Leben zu schauen, was wirklich wichtig ist. In der Fastenzeit habe ich Gelegenheit, zu prüfen, wo ich eigentlich stehe mit meinem Leben; wie’s mit meiner Beziehung zu Jesus aussieht.
Der Papst merkt, dass er eine Auszeit braucht; und da ist er ganz konsequent: “Ich will was in meinem Leben ändern – und das mache ich auch.“

Nehmt die Fastenzeit als eine Auszeit wahr. Nutzt diese Zeit, um zu schauen, wo ihr gerade steht: In der Schule, in euren Beziehungen (in der Familie und im Freundeskreis) und in eurer Beziehung zu Jesus Christus. Gönnt euch diese Auszeit – sie ist ein Geschenk.

„Verzeihung“

Der Papst sagt: „Ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler.“

Eine große Geste. “Leute, ich bin ein Mensch wie ihr. Ich habe meine Ecken und Kanten – ich bin nicht perfekt. Ich habe Fehler gemacht. Und ich bitte euch, mir zu verzeihen.“
Das war ihm wichtig. Es war ihm wichtig, nicht so zu tun, als ob alles perfekt gewesen wäre. Und ich glaube, er war erleichtert, als dieser Satz raus war.

Ist in deinem Leben alles perfekt? Bist du perfekt? Oder machst du nicht manchmal auch Fehler, die du anschließend bereust?

Ich weiß – um Verzeihung zu bitten ist keine leichte Sache. Es kostet Überwindung. Es kostet Mut, zu meinen Fehlern zu stehen. Aber es tut gut. Es tut gut, ab und an reinen Tisch zu machen. Menschen die ich verletzt habe um Verzeihung zu bitten. Und auch Gott alles hinzuhalten; ihn um Vergebung zu bitten. Auch dazu ist die Fastenzeit da.
Das Sakrament der Versöhnung (die Beichte) ist eine gute Gelegenheit für einen Neuanfang. Vielleicht nutzt ihr diese Chance, die euch Gott anbietet.

“Kehr‘ um – und glaub‘ an das Evangelium.“ Diesen Satz hören wir, wenn uns am Aschermittwoch das Kreuz auf die Stirn gezeichnet wird.

  • „Kehr um: Nimm dir die Auszeit, um dein Leben und deinen Glauben mal genauer in den Blick zu nehmen.“
  • „Glaub‘ an das Evangelium: Hab Vertrauen in Jesus. Denn er steht an deiner Seite. Er lässt dich nicht fallen. Er geht mit dir und bietet dir seine Freundschaft an. Jeden Tag deines Lebens. In jeder Minute. In jedem Augenblick.“

Bildquelle: flickr.com/photos/nelomijangos/

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3 comments

  1. Danke für den wunderschönen Gottesdienst heute morgen und die Impulse für die Fastenzeit. Liebe Grüße, bis bald. 🙂
    Miriam

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