Africa for Norway

Zuerst kam der Lachflash. Die Idee, dass Afrikaner in einem sozialen Projekt Heizgeräte für die armen frierenden Norweger sammeln, ist einfach zu schräg. Urkomisch. Zum Kringeln.

Dann das Grübeln. Wenn ich Norweger wäre – wie würde bei mir eine solche „mildtätige“ Spende rüberkommen. Vielleicht würde ich mir veräppelt vorkommen, ganz sicher wäre ich peinlich berührt. „Ist es schon so weit, dass ich in den Augen der Anderen als „hilfbedürftig“ gelte?“

Und wie ist es andersrum? Wie kommen die vielen gutgemeinten Spenden und sozialen Projekte bei Menschen in Afrika an? Fühlen die sich manchmal auch veräppelt, unwohl. Oder sind sie gar verärgert drüber, ständig als hilfsbedürftig, arm und irgendwie minderbemittelt abgestempelt zu werden?

„Hört auf, Afrika und seine Menschen in eine Schublade zu stecken!“ Darum geht’s den Machern von Radi-Aid, die übrigens aus Norwegen kommen. Ja, es gibt Probleme die eine Lösung brauchen. Und es gibt Hilfen, die gerne angenommen werden. Aber es gibt auch sehr positive Entwicklungen. Menschen in Afrika sind durchaus in der Lage, selbstverantwortlich mit den Nöten vor Ort umzugehen…

Gut gemeint ist nicht gut gemacht!
Es gibt eine simple und wichtige Regel für soziale und Eine-Welt-Projekte: Wenn ich jemandem „helfen“ will, besteht der größte Fehler darin, es „gut zu meinen“ und dann einfach loszulegen. Menschen wollen gefragt werden, bevor sich jemand in ihr Leben einmischt. Vor allem wollen sie nicht abgewertet werden. Genau dieser Eindruck kann z.B. in Afrika entstehen, wenn reiche Norweger (oder Deutsche) sich als überhebliche Weltverbesserer aufspielen.

„Aber ich bin doch gar nicht überheblich. Ich will doch nur helfen und was Gutes tun!“ Gebt’s zu: Dieser Gedanke ist den sozial Engagierten unter Euch gerade durch die Synapsen geblitzt. Ihr findet es unfair, dass Euch hier was unterstellt wird. Genau da liegt das Problem: Ich bin davon überzeugt, dass sozial Engagierte zum größten Teil die besten Absichten haben. Aber wir (auch ich) sind durchaus in der Gefahr, es zu übertreiben. Die Dinge mit den besten Absichten falsch anzupacken…

Wie geht’s richtig? Wie kann ich mich auf eine gute Art und Weise z.B. in einem Eine-Welt-Projekt engagieren?
Ganz einfach: Indem ich die Menschen, mit denen ich arbeite, respektiere! Indem ich sie nicht als arm oder ungebildet sehe, sondern als Gegenüber auf Augenhöhe. Vor allem, indem ich MIT ihnen ein Problem löse – und nicht FÜR sie. Soziale Projekte (Eine-Welt-Projekte) gelingen, wenn beide Seiten voneinander lernen. Nicht indem einer der Lehrer und der andere der Schüler ist.

Diese Gedanken stehen zum Beispiel hinter dem Workcamp, das die Kolpingjugend DV Speyer nächstes Jahr in Brasilien durchführt: Sechs junge Erwachsene leben und arbeiten drei Wochen lang mit Familien im Bundesstaat Tocantins. Ob wir dort etwas „bauen“ werden – also ein Projekt durchführen, in dem wir etwas physisch greifbares „hinstellen“ ist noch unklar. Aber darum geht’s auch nicht. Es geht um’s miteinander und voneinander lernen. Wer weiß – vielleicht lernen unsere deutschen Teilnehmer dabei sogar mehr, als die brasilianischen Gastgeber…

Noch ein Gedanke zum Thema „Geldspenden“, dass ich oben bewusst ausgelassen habe: Manchmal (oft) werden materielle Spenden gebraucht; lebenswichtige Güter, an denen es einfach fehlt. Deshalb ist es lobenswert und wichtig, dass so viele Menschen in Deutschland großzügig Geld spenden um Menschen in Not zu helfen. Genau so wichtig ist es jedoch, dass ich als Spender sehr genau darauf schaue, wem ich mein Geld anvertraue.
Es gibt genügend Hilfsorganisationen, die als Weltverbesserer auftreten und dabei zweifelhafte Motive haben, mit politischem Kalkül vorgehen oder den eigenen wirtschaftlichen Nutzen im Hinterkopf haben.
Und es gibt Hilfswerke, die mit den Menschen vor Ort überlegen, wie man gemeinsam Probleme angehen und lösen kann. Die klar und transparent mit Eurem Geld umgehen. Das Kindermissionswerk ist z.B. eine solche Organisation, der ich absolut vertraue. Dort ist Eure Spende in guten Händen.

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