Seelsorge 2015

Wie sieht das Bistum Speyer im Jahr 2015 aus? Auf diese Frage gibt das Dokument „Gemeindepastoral 2015“ eine erste Antwort.

Eingekocht & zusammengefasst: Ähnlich wie in vielen französischen Bistümern wird es eine extreme Verkleinerung der Pfarreienanzahl geben (von 319 auf 60). Gleichzeitig werden die Pfarreigebiete um ein Vielfaches anwachsen.
Um die neuen „Zentralpfarreien“ (so nenn‘ ich das jetzt mal) zu verwalten werden Teams gebildet: Ein Pfarrer leitet die Pfarrei; dabei stehen ihm mindestens zwei Hauptamtliche zur Seite (Priester, Pastoral- oder GemeindereferentInnen, Diakone).

Ich sehe bei der ganzen Geschichte drei entscheidende Vorteile:

  1. Es wird nicht mehr jeder Priester automatisch auch Pfarrer. Damit wird a) der Tatsache Rechnung getragen, daß nicht jeder gute Priester auch ein guter Pfarrer ist. b) sehe ich darin eine große Chance, die Charismen der jeweiligen Priester anzuerkennen und zu fördern. (Vielleicht ist einer ein wirklich guter Orga-Typ, kann aber nicht mit Kindern – oder umgekehrt)
  2. Das neue System bietet eine große Chance, dem Problem des Burning-Out aus dem Weg zu gehen: Dadurch daß nicht mehr jeder alles machen muss, können sich die SeelsorgerInnen auf bestimmte Bereiche konzentrieren. Nicht mehr nach dem Motto: „Jeder macht, was er will – keiner macht, was er soll – und alle machen mit.“
  3. Durch die neue Struktur wird klar, daß die „Laienmitarbeiter“ kein „notwendiges Übel“ sind – sondern wertvolle (und vollwertige) SeelsorgerInnen mit eigenem Charisma und Profil.

Die genannten Vorteile kommen aber nur zum Tragen, wenn sich möglichst Viele darauf einlassen – & dem Heiligen Geist wenigstens eine Chance einräumen. Und – ganz nebenbei – wenn dieses besch… Schubladendenken endlich aus den Köpfen verschwindet.
Aus den Köpfen der Hauptamtlichen (ja, wir brauchen Priester – gute Priester – Männer Gottes & ja, wir brauchen Pastoral- & GemeindereferentInnen – fähige Frauen und Männer – keine verkappten Priester – Leute, die mit Begeisterung ihr Charisma leben und Christus verkünden)…
wie aus den Köpfen der Gemeinden (ja, wir glauben alle an den gleichen Jesus & ja, er ist in der Kirche St. Erni der gleiche, wie in der Kirche St. Bert / nein, die Kirche X ist nicht „besser“ als die Kirche Y)…

Zum Schluss noch was zum Schmunzeln – von einem Kollegen, denn:
„Man muss über die Zukunft auch lachen können“

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8 comments

  1. Hallo Carsten,

    das mit der Zusammenlegung der vielen kleinen Pfarreien sehe ich durchaus ein. Ich lebe ja nun auch schon seit geraumer Zeit in einer Pfarreiengemeinschaft und ich sehe, dass das funktioniert. Allerdings denke ich auch an die Mitglieder einer Pfarrei, wie meiner Heimatpfarrei, die sich sehr engagieren und nun mit einer Pfarrei zusammengeschlossen werden, die viel weniger aktiv ist und wo das Gemeindeleben über Geldzuschüsse geregelt wird. Da gehen zwangsläufig die kleineren Vorortpfarrei-Mitglieder einfach unter. Außerdem finde ich, dass den alten und bewegungsmäßig eingeschränkten Menschen dadurch der Besuch der Eucharistie erschwert wird, dass sie einfach schwerer weite Strecken überwinden können. Also ich finde beide Seiten bedenkenswert. Solange unsere Kirche nur noch theologisch-abstrakt denkt und an den Glauben nur noch über Zahlen herangeht, kann auch kein heiliger Geist mehr wirken. Glauben ist nun mal auch eine Herzens- und Seelenangelegenheit und ich finde schade, wenn das durch lauter Wirtschaftsdenken vollkommen ins Hintertreffen gerät. Sämtliche Freikirchen haben unheimlichen Zulauf, weil sie mehr und mehr das Herz der Menschen ansprechen.

    Viele Grüße und Gottes Segen sendet und wünscht Heike aus Schwaben.

  2. Hallo Carsten,

    jetzt erwischt es auch das Bistum Speyer. Statt die Pfarreien zu stärken, die Priesterausbildung zu fördern und die Pastoral der ländlichen Räume zu forcieren (wo sind denn die Menschen sonst noch so richtig katholisch ;-)), geht man den Weg des geringsten Widerstandes. Wie die Kommentatorin heikebaur richtig anmerkt, geschieht das oft auf Kosten des liturgischen Dienstes der Kirche, des munus sanctificandi – dem Heiligungsdienst. Die Pastoral der Sakramente darf nicht zu kurz kommen, sie sollte stattdessen ausgeweitet werden; das Bedürfnis zur Heilung der Seele ist gerade in diesen so schwierigen Zeiten außerordentlich wichtig (Thema Beichte…); die Menschen wollen ihren seelischen Müll endlich entsorgen können und nicht immer wieder zur Bearbeitung in Form der Psychotherapie gedrängt werden. Da gibt es einen Menschen und einen Gott, der sich dafür ans Kreuz hat schlagen lassen, der die Kirche als sein Werkzeug, sein Leib hat, um diesen Müll entsorgen zu können. Da braucht es lokal zugängliche Müllkippen (Entsorgungszentren). Und das sind die Beichtstühle. Im Jahr des Priesters werden wir gerade an Johannes Maria Vianney, den Pfarrer von Ars, erinnert. Dieser hat die Beichte mit der Therapie des Arztes verglichen.
    Ich möchte nicht in ein Seelsorgezentrum gehen müssen, wie manche körperlich kranke zu Medizinischen Versorgungszentren gedrängt werden. Die Situation im Gesundheitswesen ist hier sehr ähnlich mit der Situation in der Kirche. Ich möchte zu meinem Hausarzt gehen können, so wie ich zu meinem Pfarrer gehen können will.
    Ich habe ja erlebt, wie es ist. Stell Dir vor, es ist Beichtzeit und kein Pfarrer ist da. Dieses geschah im Mainzer Dom (!!). Und nun?
    Solange die Sakramentenpastoral gewährleistet ist, solange ich wenigstens zu den festgelegten Beichtzeiten das Sakrament der Versöhnung empfangen kann, solange ist die Struktur der Kirche unerheblich. Ich weiß, das klingt recht egoistisch. Aber ich will mich im kirchlichen Dienst eben an meinen Worten messen lassen. Ich kenne einiges aus der französischen Kirche, wo ein Pfarrer 30-40 (!) Kirchen zu betreuen hat. Dazu darf es nicht kommen! Meine Vorrednerin sagt: „Solange die Kirche nur noch theologisch-abstrakt denkt…“. Hmm, wenn sie wirklich theologisch abstrakt denken würde, so würde sie tatsächlich über die dogmatischen Folgen nachdenken, wenn sie den Kindern keine angemessene Katechese, keine sakramentale Seelsorge, keine Krankenbesuche duch den Pfarrer, etc… mehr anbietet. Hier muß die Kirche aufpassen, daß sie nicht das Kind mit dem Bade ausschüttet.

  3. @Heike: Was die kleinen & lebendigen Ortsgemeinden betrifft, ist die Gefahr, wie du sie beschreibst, wirklich da. Aber nur, solange die Menschen denken: „Nee, mit der neuen Pfarrei will ich nichts zu tun haben – da haben ja „die anderen“ das sagen.“
    Ich meine: Wenn es jemandem wirklich um den Glauben geht (und nicht ums Kirchengebäude), dann wird er/sie auch in der neuen Gemeinde einen „Ort“ finden, wo er/sie sich einbringen kann.

    Was die alten Menschen betrifft: Die „Alten“ die nicht mehr mobil sind, werden besucht, wenn sie das möchten. Das ist schon heute so und es wird auch so bleiben. Diejenigen, die trotz ihrer Altersgebrechen unbedingt den Gottesdienst besuchen wollen – na; von denen sehe ich hier in Pirmasens schon jetzt einige: Sie werden von Verwandten oder Freunden gebracht. Oder von Pflegekräften. Sie kommen mit Krücken, Stöcken und Rollstühlen. Und ob ich einen gehbehinderten Menschen 1km mit dem Auto transportiere oder 5km macht kaum einen Unterschied.

    Liebe Heike, was die Zukunft betrifft liegt vieles auch an der Kreativität der Menschen. In Diasporagemeinden klappt das schon heute: „Die alten Leute können nicht so weit laufen? Dann bieten wir eben einen Fahrdienst an.“

    Ich glaube übrigens nicht, daß unser Bistum da nur „theologisch abstrakt“ denkt. Eher umgekehrt: Ganz konkret sind einige große Probleme da, dir wir anpacken müssen. Nicht mit Flickschusterei (wie in den letzten Jahren), sondern gleich richtig…

    Was meinst du?
    Grüße,
    Carsten.

  4. @Christoph: Lies dir bitte meine Antwort an Heike durch. Da schreib ich schon einiges auch zu deinen Anfragen.

    Ein Bilder zum Thema „Sakramentenpastoral“, das mir bei deinem Text eingefallen ist: „Kirche als Sakramenten-Drive-in“
    Ich komme und es muss immer jemand da sein, der mein Bedürfnis nach einem Sakrament schnell und sofort befreidigt. Die Seelsorger haben zu funktionieren.

    So geht es eben nicht mehr. Ich sehe mich nicht als Sakramentenmaschine. Die Eucharistie ist der Höhepunkt und Mittelpunkt – ja – aber wenn ein Priester gezwungen ist, Eucharistiefeiern am laufenden Band zu absolvieren, dann kann das nicht gut sein. Dann ist er eben wie eine Pflegekraft in unserem tollen deutschen System, der 10min Zeit hat und dann (huschhusch) schnell weiter muss.

  5. Hallo Carsten,
    klar, ich denke auch, dass die Menschen flexibler werden müssen. Aber ich finde auch, dass man nicht immer nur wirtschaftlich denken darf, sondern einfach mit etwas Gefühl bzw. Emotionen. Ich sehe es in allen Bereichen des täglichen Lebens. Bei uns im Schulalltag – es wird gespart. Bei uns in den Betrieben – es wird gespart und die Leute werden gedrückt und ausgenutzt bis zum geht nicht mehr, weil es nur noch wenige „Nachwüchsler“ gibt. usw. usw. usw. Und das alles auch nur, weil die, die oben sind, die die das Sagen haben nicht in der Lage sind, Menschen für Berufe zu begeistern. Und ohne Begeisterung wandern die Menschen eben ab. Gleiches passiert doch auch in der Kirche. Wo sind denn die begeisterten Priester? Du und einige andere natürlich ausgenommen. Ihr seid super und ihr steckt an mit eurer Spiritualität. :- ) Aber hier bei uns??? Ich gehe z.B. überhaupt nicht in die Pfarrgemeinde am Ort, sondern lieber im Nachbarort, weil der örtliche Pfarrer unmöglich ist. Und ich denke besonders auch die alten Menschen, wenn sie keine Möglichkeit haben, wenn keiner dieses Ehrenamt übernimmt, sie zu holen und wieder heimzubringen, was dann? Fernsehgottesdienst??? Natürlich liegt es an der Kreativität der Menschen. Aber ich denke einiges liegt auch an der starren Haltung unserer Kirche, die sich nicht ein wenig bewegt. Dabei hätte sie so viel zu bieten, wenn sie nur mit mehr Spiritualität auftreten würde.
    Ich bin ja selbst Wogodileiterin, trotzdem denke ich, ich kann und will einen Priester nicht ersetzen, weil Priestersein ein besonderes Amt mit vielen besonderen Gaben ist. Ich kann und will auch nicht in einer Diasporagemeinde leben, wie sie vielleicht in Afrika vorkommt, wo die Gläubigen einer 26000-köpfigen Pfarrei ihren Pfarrer nur alle Schaltjahre mal zu sehen bekommen. Der Priesterberuf ist so ein wichtiger Beruf, warum kann man als Kirche nicht daran arbeiten und dabei mithelfen, dass es wieder mehr Priester gibt, dass es noch mehr Priester gibt, die aus Berufung heraus Priester sind?
    Ich habe Freunde, die zu Freikirchen gehören und dort gibt es so viel Zulauf und Berufungen. Ich denke das kommt dort davon, weil wirklich etwas von deren Spiritualität hervortritt. Ich denke die Kirche könnte sich viele der derzeitigen Probleme ersparen, wenn sie sich wirklich auf ihre ganz eigenen Fähigkeiten, die sie als katholische Kirche ja wirklich hat, besinnen würde und die nach außen tragen würde. Ich empfinde gerade diese Reformierung der Pfarreien als Flickschusterei, denn die derzeitige Situation drückt doch nur aus, woran es krankt, dass nämlich die Kirche und damit sind alle gemeint, auch wir „Normalgläubigen“ nicht mehr dazu stehen, was für uns Kirche wirklich bedeutet, nämlich die Liebe Gottes zu erfahren, seine Stärkung durch den Heiligen Geist und durch die Eucharistie und Gott zu begegnen im Gebet oder im Lobpreis oder in der Anbetung oder in der Beichte usw. usw.

    Natürlich versuche ich meinen Teil in meiner Gemeinde beizutragen. Aber so manches, was strukturell von „oben“ angeordnet wird, ist so schrecklich fern von den Menschen, dass ich darüber wirklich verärgert bin.

    Trotz allem bin ich gerne katholisch und versuche halt das je beste aus der Situation zu machen und für mich Orte zu finden, wo mein Glaube wirklich gestützt und erweitert wird.

    Ich danke Gott für dich und alle Priester und auch für die Ordensleute, denn ich denke, wenn es das Gebet, besonders in den Klöstern nicht gäbe, wäre noch viel mehr im Argen.

    Es grüßt dich
    Heike.

  6. Hallo Heike.
    Uff – deine Kommenater erschlagen mich 😉 – zeigen mir aber auch, daß du dir ganz schön viele Gedanken machst..

    Ich stimme dir zu, was die Begeisterung in unserer Kirche betrifft – da denken wir wohl ziemlich ähnlich: Oft (zu oft) fehlt sie.

    Manchmal kommt es mir vor, als säßen wir in einem klapprigen Oldtimer: Der tut zwar, mehr oder weniger, seinen Dienst. Aber er reißt uns nicht mehr so recht vom Hocker.

    Die Frage ist:
    Betreiben wir Flickschusterei; also reparieren wir immer nur notdürftig, was gerade kaputt ist? – meiner Meinung nach das, was in den letzten Jahren passiert ist.
    Pimpen wir die alte Karre auf, bis sie nicht mehr wieder zu erkennen ist? – dito.
    Oder sanieren wir den Oldtimer so, daß das Original wieder zu erkennen ist. So, daß am Ende eine Karre vor uns steht, bei der die Leute am Straßenrand sagen „Boah – in so einem sexy Gefährt will ich auch fahren.“

    Ich glaube, daß in den 60er/70er Jahren die Karre gewaltig gepimpt wurde. Anbauteile & Gadgets ohne Ende. Jetzt stehen wir da und sehen, daß wir es mit dem Tuning ein wenig übertrieben haben. Es überfordert uns & geht über unsere Kräfte.
    Der richtige Schritt (in meinem Bild) ist es meiner Meinung nach, den überflüssigen Ballast abzuwerfen. Dafür zu sorgen, daß die Schönheit des Gefährts (aka Kirche) wieder zum Vorschein kommt. Mit „überflüssigem Ballast“ meine ich keinesfalls das Lebendige, was es in vielen Gemeinden gibt. Aber es ist nun mal so, daß uns viele Gebäude und zu kleinzellige Pfarreistrukturen oft eher ein Klotz am Bein sind und uns überfordern. Schau dir die Hauptamtlichen an, die oft von einer Sitzung zur nächsten Hetzen – Burnout vorprogrammiert.

    Ich für meinen Teil stehe auf alte, schön hergerichtete Oldtimer:
    Das „Alte“ daran ist die Substanz der Kirche: Die Frohe Botschaft Jesu. Viele der Traditionen, die den Motor am brummen halten.
    Das „Neue“ ist das vorsichtige Restaurieren. Der liebevolle Umgang mit dem Material, das die Karre ausmacht. Und manchmal auch die Entscheidung, ein liebgewonnenes Teil wegzuwerfen und zu ersetzen – weil es einfach nicht mehr seinen Dienst tut.

    Ich hoffe (& ich denke, daß ist in deinem Sinn), daß unsere Bistumsleitung mit der Liebe eines „Oldtimerfans“ an die Karre „Bistum Speyer“ geht und sehr vorsichtig, klug und geistreich entscheidet: Welche Teile müssen erhalten werden? Welche Teile brauchen Pflege oder neuen Lack? Und welche Teile müssen weg – ersetzt werden?

    Danach liegt es – da gebe ich dir vollkommen Recht – an der Begeisterungsfähigkeit der Menschen: An den Priestern, PastoralreferentInnen, GemeindereferentInnen, Mitarbeitern – vor allem aber auch an den Gläubigen selbst, ob sie „nur die Asche weitertragen – oder die Glut neu entfachen“.

    Was das Thema „Berufungsarbeit“ angeht: Schau dir mal die Seite http://www.berufe-der-kirche-speyer.de an. Spricht für sich 😉

    Liebe Grüße,
    Carsten.

Dein Senf...