Potter VI., Benedikt XVI. & Kuby I.

potter-halfbloodJa, ich bekenne mich schuldig: Ich habe mir schon vor Wochen den neuen Potter-Band „Harry Potter and the Halfblood Prince“ bestellt. Warum? Weil ich unterhaltsame Lektüre mag – vom Thriller bis hin zum Fantasy-Roman. Einfach so.

Und da gerade nichts wichtigeres in Welt und Kirche ansteht *Achtung Ironie!*, werden wieder die alten Schinken ausgegraben. Hey, da mach ich doch gleich mal mit. Ihr erinnert euch?:
2003/2004 war Harry der Aufreger in der katholischen Welt. Gabriele Kuby fuhr schwere Geschütze gegen den jugendlichen Zauberlehrling auf: Er sei Gift für die Seelen unserer Kinder. Über meinen Leserbrief, mit dem ich einiges richtigstellen wollte, war sie „not amused“.
Sogar Kardinal Ratzinger nahm sie mit ins Boot. Er schrieb ihr in einem Brief: „Es ist gut, daß Sie in Sachen Harry Potter aufklären, denn dies sind subtile Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen, ehe es überhaupt recht wachsen konnte.

Heute, knapp 2 Jahre später, wird diese Debatte wieder ausgegraben und aufgewärmt: Hier, oder hier oder hier.

Schauen wir mal genauer hin:
1. Kardinal Ratzinger nahm damals nicht Bezug auf Potter, sondern auf Kubys Bücher. Da er wohl kaum die Zeit hatte, Potter zu lesen, konnte er nur von Kubys Behauptungen ausgehen. Und wer sich auf die verlässt, muß Potter für reines Gift halten.
2. Nachdem der Hype um Potter, Kuby und Co. damals auszuufern drohte, sah sich der Vatikan genötigt, selbst Stellung zum Thema zu beziehen. So verkündete Pressesprecher Navarro Valls sogar: „Harry Potter can help us explain Word of God.“ Es gehe in Rowlings Romanen über den Kampf zwischen Gut und Böse.
3. Potter wurde und wird so verteufelt, da es hier um Magie gehe. Und die sei immer vom Bösen herkommend. Und jetzt kommt das Lustigste: Der „Herr der Ringe“ sei genau das Gegenteil. Hier finde man eine Fülle christlicher Inhalte, die den Kampf zwischen Gut und Böse beschreiben. Gandalf ist zwar auch Zauberer und arbeitet mit Magie – das zählt aber plötzlich nicht mehr. (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…)

Was mich freut: Auch Petra meldet sich mit einem Artikel zu Wort und schreibt: „Kuby ist ja eine große Kämpferin gegen Potter, wobei sie die Bücher auch offenbar (absichtlich?) zum Teil missverstanden hat.

Und jetzt?! Ich für meinen Teil werde mir nachher „Harry Potter and the halfblood prince“ aus meinem Postfach holen und die Lektüre ganz gemütlich und frei von Gewissensbissen genießen – ohne Angst um meinen Glauben oder meine Seele.

Der Einfachheit halber findet ihr auf den folgenden beiden Seiten die obengenannte Debatte zwischen Gabriele Kuby und mir…

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7 comments

  1. 😉 Das ging aber schnell: Eben hat mir jemand den neuen Potter vor die Tür gelegt. Da hab‘ ich mir sogar den Gang zum Postfach gespart…

  2. Ich halte Kuby ja für ziemlich hysterisch in Bezug auf die Potter-Bücher. Wenn man aber schon auf 180 ist, wenn man das Buch nur in die Hand nicht, kann man es gar nicht mehr unvoreingenommen beurteilen…

    Was Kuby ja bei dem ganzen Gegeifer gegen den angeblichen Okkultismus in HP überhaupt nicht sieht:
    Das Okkulte, gegen uns auch die Bibel warnt, ist die Anrufung außerhalb von Gott liegender (bzw. gegen Gott gerichteter) Kräfte und Dämonen für unsere eigenen Zwecke.

    Davon ist in HP aber überhaupt nicht die Rede. Zauberkraft ist eine angeborene Eigenschaft, die nach den Mendel’schen Gesetzen (!) vererbt wird. Wer keine Zauberkräfte hat, kann auch keine erwerben, sosehr er sich auch bemüht. Von der Anrufung von Dämonen und Geistern ist übrigens nicht die geringste Rede.

    Und ist ihr eigentlich bei der Präsenz der Neigung zum Bösen in Harry die Analogie zur gefallenen Natur des Menschen nicht aufgefallen? Und erinnern wir uns denn nicht an den ersten Band, wo der Hut unentschieden ist, ob er Harry nach Gryffindor oder nach Slytherin schicken soll – und Dumbledore Harry dann sagt, dass es auf unsere eigene Entscheidung ankommt, was wir aus unseren Anlagen machen? Komisch, erinnert mich irgendwie an den Freien Willen des Menschen, aber da muss ich mich wohl irren… (Die Zauberer in LOTR sind übrigens in einer ganz ähnliche Situation: sie können sich ebenfalls sowohl dem Guten (Gandalf) wie auch dem Bösen (Saruman) zuwenden.)

    Aber gut, ich glaube, solche Dinge nimmt sie gar nicht wahr (das ist auch in Deiner Debatte mit ihr herausgekommen). Sie ist in Bezug zu HP einfach schon so eingefahren, dass ihr jegliches Umdenken als Affront erscheinen muss.

    Ich habe in meinem Blog schon zu einem Artikel bei der Karl-Leisner-Jugend verlinkt. Im folgenden werden die Ideen über die praeparatio evangelii durch HP noch mehr im Detail erklärt:
    http://www.karl-leisner-jugend.de/Potter6.htm
    (Übrigens sind alle 6 HP-Beiträge auf der Seite sehr lesenswert! Und die anderen Katecheseseiten übrigens auch…)

  3. Korrektur:
    im ersten Absatz: „in die Hand nicht“=in die Hand nimmt

    Und viel Spaß mit dem neuen HP-Band!

  4. Schon merkwürdig, worüber Christen sich so alles aufregen…
    Falls das schon vergessen sein sollte: Magie, Zauberei, Hexen, Dämonen und sonstige Kinderschrecknisse gibt es überhaupt nicht. Alles frei erfunden!
    (Götter gibt es übrigens auch nicht, Pech gehabt.)

  5. „Götter gibt es übrigens auch nicht, Pech gehabt“

    Götter gibt es wirklich nicht… 😉

    Und falls Du meinst, mich mit solchen Bemerkungen plötzlich zu konvertieren: been there, done that. 25 Jahre lang.

  6. 😉 Und wieder mal danke für einen geistreich-witzigen Kommentar…

Dein Senf...