Konzilsgeist ?!

Guido Horst schreibt in der Tagespost über den „Geist des Konzils“: Nachdem über vierzig Jahre lang ein falsches Bild vom Konzil gezeichnet worden sei, rücke nun Kurienbischof Agostino Marchetto mit seinem Buch „Das Zweite Vatikanische Konzil. Eine Gegenansicht über seine Geschichte“ dieses Bild zurecht.
Schade nur, daß Guido Horst mit seinen Ausführungen nicht weniger nebulös bleibt als der angeblich so falsche Konzilsgeist. So nennt er „Fehlentwicklungen“, die wohl kaum in einen Topf gehören: „Die Laienpredigt, die Weihe von Diakoninnen, die Abschaffung des Latein, die Leugnung des Opfercharakters der heiligen Messe, Interkommunion, Religionspluralismus, die Mitwirkung der Laien bei der Bischofsfindung und so weiter und so weiter.
Bei aller berechtigten Kritik an mancher fehlgeleiteten Konzilsauslegung – mit einer solchen unreflektierten Vermischung theologischer Orte würde ein Theologiestudent sich in jeder Dogmatikprüfung disqualifizieren.

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3 comments

  1. Ich versuche mal, ein bisschen auszusortieren…

    Die Abschaffung des Latein kam ja wirklich nicht vom Konzil selbst, eher im Gegenteil.

    Interkommunion, Religionspluralismus und Leugnung des Opfercharakters der Hl. Messe sind Lieblingskinder der Geist-des-Konzils-Theologen. (Und wohl auch die geforderte Weihe von Diakoninnen….)

    Laienpredigt (außer vielleicht in einem Worgottesdienst, wo weder Priester noch Diakon anwesend sein können – obwohl selbst da…) ist ein in manchen Ländern verbreiteter Missbrauch, der von Redemptionis Sacramentum explizit verurteilt wird.

    Mitwirkung der Laien bei der Bischofsfindung ist auch so ein Lieblingskind von Wir sind Kirche… Ich glaube, in der Schweiz gibt’s das ein bisschen, oder nicht? So wie dort auch die Laienpredigt so verbreitet zu sein scheint…. (Warum wohl geht dort die kath. Kirche völlig den Bach runter???)

    Obwohl ich glaube, dass er eher betonen will, dass diese Dinge – egal ob nur gefordert, oder ein wirklich umgesetzter Missbrauch – eben nicht vom Konzil selbst kamen, sondern von den Leuten, die den „Geist des Konzils“ verkündeten…

  2. Klar gibt es berechtigte Kritik an so mancher Auslegung des Vat.II. Wenn aber ein Theologie diese Kritik anführt, darf man erwarten, daß er die Sache etwas differenziert: Interkommunion liegt auf einer ganz anderen Ebene als die „Laienpredigt“.

    So kann man durchaus darüber diskutieren, ob den Bistümern (und damit auch die Laien in den Bistümern) bei der Besetzung des Bischofsstuhls nicht etwas mehr Mitspracherecht zugestanden werden sollte (das heißt ja noch lange nicht, daß sie sich dann selbst einen Bischof „wählen“). Das ist eine disziplinäre Frage.
    Der Opfercharakter der Eucharistiefeier ist dagegen eine dogmatische Angelegenheit, die nicht zur Disposition steht.

    Mich stört dieses Zusammenwerfen von völlig unterschiedlichen Themen in einen Topf. Denn leider bleibt es oft nicht beim Zusammenwerfen, sondern es wird eben gleich mal kräftig und pauschal verurteilt. Dann heißt es zum Beispiel: „Aha, der Pfarrer XY will die Pastoralreferentin im Wortgottesdienst predigen lassen – der ist wahrscheinlich eh‘ einer von denen, die die Frauen gleich zu Priesterinnen weihen würde…“

    Mich nervt, daß selbst „Profis“ unter den Theologen es nicht für nötig halten, zu unterscheiden:
    a) Es gibt dogmatische Themen: Darüber kann man auf theologischer Ebene diskutieren. Aber sie stehen nicht zu Disposition. Jede Diskussion über diese Themen sollte das Anliegen haben, den betreffenden Glaubenssatz tiefer und vollständiger zu verstehen und zu erfassen.
    b) Es gibt disziplinäre Themen: (z.B.: Latein im Gottesdienst) Auch hier sollte man nicht wie mit der Axt im Wald alles bedenkenlos zerpflücken. Aber man kann diese Themen von unterschiedlichen Gesichtspunkten aus angehen und durchaus Verbesserungsvorschläge einbringen. „Prüft alles, und behaltet das Gute!“ (1 Thess 5,21).

    Was soll all dieses pauschale Aburteilen? Suche ich bei Theologen, die mir unangenehm sind, zuerst das Gute oder suche ich einzig und allein das Schlechte?!

  3. Man darf nicht vergessen, dass Guido Horsts Kommentar in der Tagespost auf das Buch von Marchetto hinweisen moechte und im Hinblick auf das darin behandelte Thema eine Reihe von innerkirchlichen ‘Fehlentwicklungen’ als Stichworte erwaehnt, um die Probleme beim Namen zu nennen und sie damit konkret in Erinnerung zu rufen. Dass Guido Horst dabei keine theologische Abhandlung schreibt und schreiben will und auf eine ‘theologische Differenzierung’ verzichten kann, ist meines Erachtens aus dem Kontext wohl ersichtlich.
    Vielleicht wird in Guido Horsts Aufzaehlung jener beilaeufig erwaehnten Stichworte – in einem noch dazu sehr kurzen Artikel – zuviel hineininterpretiert. Lassen wir die Fliege Fliege sein.

    Aber was den ‘Geist der Unterscheidung’ anbelangt: Unterscheidung heisst nicht Isolation oder Trennung. Unter der Scheidung liegt nicht selten noch ein tieferer Zusammenhang des Unterschiedenen. ‘Dogmatische Themen’ haben immer auch disziplinaere Konsequenzen (z. B. das Kirchenrecht); Verlust der (kirchlichen) Disziplin fuehrt frueher oder spaeter zur Erosion der dogmatischen Glaubenssaetze oder ist bereits eine Folge des letzteren.

    „Suche ich bei Theologen, die mir unangenehm sind, zuerst das Gute oder suche ich einzig und allein das Schlechte?!” Antwort: Ich suche beides bei ihnen. Wie soll ich denn wissen, was das Gute bei den unangenehmen Theologen ist, wenn ich nicht weiss, was bei ihnen schlecht ist? In der Tat, bei ihnen allein das Schlechte zu suchen, offenbart mir doch zugleich all das Gute, was das Schlechte nicht ist. Aber wir sollten auch nicht vergessen, dass im Namen des Guten nicht all zu selten viel Schlechtes passiert.

Dein Senf...