Immer wieder wandte sich der Papst ganz besonders an einzelne Gruppen. Es sind die Familien, die Kinder, die Frauen, die Priester und viele Verantwortliche in den einzelnen Lebensbereichen, wie z.B. Künstler und Wissenschaftler. Auch die regelmäßige Ansprache an die Jugendlichen gehörte dazu. Der Papst sah sie als einen Vortrupp für eine neue Evangelisierung im Dritten Jahrtausend. So sind sie durch ihr soziales und politisches Engagement sowie die Solidarität mit den Armen im Blick auf die Zukunft ganz gewiss „Baumeister einer Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit“. Dies war auch sein Programm für den von ihm einberufenen und ersehnten Weltjugendtag im August dieses Jahres in Köln.

Sein großes Vertrauen und Zutrauen zur Jugend schuf eine große Gegenliebe bei den Jungen. Dieser alte, zunehmend gebrechlich erscheinende Mann hatte auf die jungen Menschen wie ein Magnet gewirkt. Hier erinnerte der Papst immer wieder an den großen Aufbruch seiner ersten Jahre. Ich kenne niemanden, der in der heutigen Welt so eine geradezu unbändige Hoffnung bei jungen Menschen entfesseln konnte. Krankheit und Schmerz schienen diesem Mann des Glaubens und der Kirche nichts anhaben zu können.

Wir Deutschen haben dem Heiligen Vater viel zu verdanken. Die Wiedervereinigung Deutschlands gehört gewiss dazu. Sie war Folge des Zusammenbruchs der kommunistischen Systeme in Ost- und Südosteuropa. Und es ist unzweifelhaft, dass das polnische Volk daran einen großen Anteil hatte. Möglich war dies auch, weil der Papst den Polen eine starke moralische Unterstützung gab. Ohne ihn, der als gebürtiger Pole selbst aus dem kommunistischen Machtbereich kam und sich deshalb im Umgang mit diesem Machtsystem auskannte, wäre diese Entwicklung sicher nicht so schnell gekommen.

Schon in seiner Zeit als Erzbischof von Krakau war Kardinal Karol Wojtyla unserem Land verbunden und hatte großen Anteil am stetigen Versöhnungsprozess zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk. In den 70er Jahren reiste er gleich mehrfach nach Deutschland, das letzte Mal einen Monat vor seiner Wahl zum Papst 1978. Gemeinsam gedachten damals deutsche und polnische Bischöfe am Grab des heiligen Bonifatius in Fulda des gemeinsamen Anfangs des christlichen Glaubens in Europa. Die Erinnerung und Bewahrung des christlichen Erbes in Europa ist Johannes Paul II. stets ein besonders Anliegen gewesen. Immer wieder schaltete er sich in die Debatte um eine künftige Europäische Verfassung ein und drängte darauf, den Beitrag des religiösen und insbesondere des christlichen Erbes anzuerkennen. Seine Worte waren und bleiben Ermutigung und Anspruch nicht nur für die Gläubigen, sondern für alle in Politik und Gesellschaft verantwortlich Handelnde.