Botschaft des Heiligen Vaters zum Weltjugendtag 2004

3. Wollt auch Ihr, liebe Jugendliche, die Schönheit dieses Angesichtes betrachten? Das ist die Frage, die ich an Euch an diesem Weltjugendtag des Jahres 2004 richte. Gebt darauf keine zu schnelle Antwort. Lasst es vor allem erst in Euch still werden. Lasst aus der Tiefe des Herzens diese brennende Sehnsucht, Gott zu sehen, hervorquellen, eine Sehnsucht, die hin und wieder von dem Lärm der Welt und den Versuchungen sich zu vergnügen erstickt wird. Lasst diese Sehnsucht aufsteigen und Ihr werdet die wunderbare Erfahrung der Begegnung mit Jesus machen. Das Christentum ist nicht allein eine Lehre; es ist eine Begegnung im Glauben mit Gott, der durch die Menschwerdung Jesu in unserer Geschichte anwesend ist.

Versucht mit allen Mitteln, diese Begegnung zu ermöglichen, indem Ihr auf Jesus schaut, der Euch mit Leidenschaft sucht. Sucht ihn mit den Augen des Körpers mittels der Ereignisse des Lebens und im Angesicht der anderen; sucht ihn aber auch mit den Augen der Seele durch Gebet und Betrachtung des Gotteswortes, denn „die Betrachtung des Angesichtes Christi muss sich an dem inspirieren, was uns die Heilige Schrift über ihn sagt” (Novo millennio ineunte, 17).

4. Jesus sehen, sein Angesicht betrachten ist eine nicht unterdrückbare Sehnsucht, aber leider auch eine Sehnsucht, die der Mensch zu verzerren vermag. Und das geschieht durch die Sünde, deren Wesen genau darin besteht, die Augen vom Schöpfer abzubringen und der Schöpfung zuzuwenden.

Jene „Griechen”, die auf der Suche nach der Wahrheit waren, hätten sich nicht Jesus nähern können, wenn nicht ihre Sehnsucht, von einem freien und freiwilligen Akt beseelt, sich in einem klaren Entschluss konkretisiert hätte: „Wir wollen Jesus sehen”. Wahrhaft frei sein heißt, die Kraft haben, sich für Jenen zu entscheiden, durch den wir erschaffen worden sind, und seine Herrschaft über unser Leben anzunehmen. Ihr spürt es im tiefsten eures Herzens: alle Güter der Erde, alle beruflichen Erfolge, selbst die menschliche Liebe, die ihr ersehnt, werden eure innersten und tiefsten Erwartungen nie vollkommen befriedigen. Allein die Begegnung mit Christus wird eurem Leben einen vollen Sinn geben: „Du hast uns auf dich hin erschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir”, hat der heilige Augustinus geschrieben (Bekenntnisse, I,1). Lasst euch von dieser Suche nicht abbringen. Beharrt in ihr, denn der Einsatz bedeutet eure volle Erfüllung und eure Freude.

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