18 Jahre lang war Karl-Heinz Wiesemann unser Bischof. Jetzt hat er seinen Rücktritt eingereicht und einen ausführlichen Brief an die Menschen in unserem Bistum geschrieben. Darin blickt er dankbar und mit erfrischender Offenheit zurück auf seine Zeit als Bischof von Speyer.
Hier könnt Ihr seinen Brief nachlesen.
In dieser Zeit habe ich unseren Bischof als einen Menschen erlebt, der sich den Gedanken von Frère Roger von Taizé (ob bewusst oder unbewusst) zu eigen gemacht hat: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“
Als frischgebackener Jugendseelsorger bin ich vor 16 Jahren einem Bischof begegnet, der in vielen Punkten andere Ansichten hatte, als die jungen Menschen, in deren Auftrag ich mit ihm zusammengekommen bin. Immer wieder haben wir uns inhaltlich aneinander gerieben. Was mir schon damals aufgefallen ist: Er hat mir oder uns daraus niemals einen Strick gedreht. „Auch, wenn wir verschiedene Meinungen haben, weiß ich, dass wir gemeinsam für die Sache Jesu stehen“ hat er mal zu uns gesagt.
Im Lauf der Jahre hat Bischof Karl-Heinz manche seiner Ansichten verändert. Mal vorsichtig, mal sehr deutlich. Das hat ihm Anerkennung, aber auch genügend Anfeindungen eingebracht.
Mich hat er damit beeindruckt. Ein Mensch in einer Machtposition, der zuhört. Der bereit ist, eigene Positionen und auch das System, für das er steht, zu hinterfragen. Ein Mensch, der versucht, die Frohe Botschaft immer tiefer zu verstehen und in Folge auch seine Haltung konsequent verändert. Ein Mensch, der zu eigenen Fehlern und Schwächen offen steht und wirklich mit-leidet, wenn Kirche Menschen tiefen Schaden zufügt. Ein Mensch, der sich jetzt entschieden hat, einen neuen Weg für sich zu suchen.
Lieber Karl-Heinz. Für all das danke ich Dir. Für die gemeinsame Zeit, das gemeinsame Ringen und Lernen. Für das ein oder andere Glas Wein und offene Worte.
Gottes Segen für deine Wege.
Carsten Leinhäuser
