In einem Facebookpost hat Bischof Stefan Oster sich kürzlich zum Verhältnis von wissenschaftlicher Theologie und Lehramt geäußert.

Auf seine Gedanken zu dieser Frage gehe ich hier (abgesehen von folgender kurzer Bemerkung) nicht weiter ein: Natürlich muss sich das Lehramt von der wissenschaftlichen Theologie kritisch hinterfragen lassen (Gleiches gilt umgekehrt). Wenn Lehramt und Theologie nicht aufeinander hören würden, hielte ich das für ein Armutszeugnis auf beiden Seiten.

Mich hat vielmehr folgende Aussage zum Nachdenken gebracht:

„Anbetung ist aber im Grunde der einzig angemessene Umgang mit dem Herrn…“

Ist das so? Ist Anbetung wirklich der einzig angemessene Umgang mit dem Herrn?
Irgendwie habe ich da ein flaues Gefühl in der Bauchgegend (und im Oberstübchen). Für mich klingt das etwas zu sehr nach einer Einbahnstrasse. Vielleicht liegt es daran, wie man Anbetung definiert: Wäre sie einzig ein Schauen auf Gott; ein Tun, welches sich in der Blickrichtung von mir auf Gott hin erschöpft – dann wäre mir das viel zu eng. Viel zu wenig.
Anbetung könnte aber auch bedeuten, dass ich den Blick Gottes auf mich hin zulasse und versuche wahrzunehmen: Ich lasse mich von ihm anblicken. Ich schaue mit ihm an meiner Seite auf mein Leben. Lasse ihn mit einer Taschenlampe selbst in die dunkelsten Ecken leuchten, die ich niemandem sonst zeigen würde. Ich erlaube ihm, in mein intimstes Inneres zu schauen und entdecke mit ihm verborgene Schätze und Gaben sowie dunkle Flecke.

Selbst das kommt mir noch zu wenig vor. Es genügt mir nicht. Vielleicht, weil mir in der Anbetung die Betrachtung fehlt. Damit meine ich die Zeit, die ich mir nehme, um die Frohe Botschaft „abzuklopfen“ und in sie „einzutauchen“. Die Zeit, in der ich mich der Frage stelle, was diese oder jene Erzählung des Evangeliums mit meinem Leben zu tun hat. Mehr noch: Wozu die Frohe Botschaft mich herausfordert. Ganz konkret. Wenn ich den Weg der Betrachtung gehe, führt er mich wieder zu Fragen an mich selbst – und Entscheidungen, die anstehen: Wie handle ich? Wie gehe ich um mit mir selbst? Mit den Anderen und Fremden? Mit der Welt, die Gott für uns geschaffen und uns ausgeliehen hat?

Hmmm. Anbetung und Betrachtung als der „einzig angemessene Umgang mit dem Herrn“? Erscheint mir immer noch zu wenig.
Vielleicht findet sich ja die Antwort in der Bibel selbst. Zum Beispiel in Johannes 15, 9-17. Da sagt Jesus

„Das ist mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

Nicht mehr. Nicht weniger: Der „einzig angemessene Umgang mit dem Herrn“ beginnt mit der Betrachtung, dem Hinhören und dem Anbeten. Soweit gehe ich mit. Das ist jedoch nur der „kleinere“ Teil meiner Aufgabe als Nachfolger_in Jesu. Danach geht’s erst richtig los.

Die Challenge lautet: Den Nächsten zu lieben, so wie Jesus es uns vorgelebt hat. DAS ist der einzig angemessene Umgang mit Gott. Und mein Umgang mit ihm ist untrennbar verbunden mit meinem Umgang mit den Anderen. Sonst würde ich sein Gebot überhören; es nicht ernst nehmen.
Damit bin ich gewissermaßen sogar “gezwungen“, den geschützten Raum der Anbetung und Betrachtung zu verlassen und raus zu gehen in die Welt. Die Ärmel hochzukrempeln. Mich nach meinen Kräften einzusetzen und zu versuchen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Ob ich wirklich angemessen mit dem Herrn umgehe, zeigt sich in meinem Leben. Daran, ob und wie ich Verantwortung übernehme. Auch und gerade politische und gesellschaftliche Verantwortung…