Die Grippe hat auch ihre guten Seiten. So konnte ich am Mittwoch ohne schlechtes Gewissen meine Zeit damit verplempern, stundenlang einen hübsch-hässlichen Schornstein anstarren. Dabei habe ich gelernt, dass Schornstein-Anstarren eine äußerst meditative Sache sein kann. Könnte man eigentlich öfter mal… (aber das ist hier nicht das Thema).

Dann der große Moment: Rauch. Weißer Rauch. Ich hatte ja mit allem gerechnet – aber Rauch aus einem Schornstein? Faszinierend!

Die nächste Stunde beschäftige ich mich mit der schwerwiegenden Frage „Schnell nochmal auf’s Klo gehen – oder besser warten?“ Ich bleibe stark und warte. Und warte. Den Blick fest auf den Vorhang der Loggia des Petersdoms gerichtet. Bei Wikipedia hat jemand geschrieben, Scola sei der Neue. Ich ertappe mich dabei, leise zu fluchen. Ein Italiener. Na super (nicht, dass ich was gegen Italiener hätte, aber…). Abwarten und Tee schlürfen. Pfefferminz, Fenchel, Zitrone und Honig. Nicht schlecht.

Das Licht geht an und nach quälenden Minuten öffnen sich endlich die Türen: „Annuntio vobis… Habemus… Ber… (Was? Wer?)“.
Ist das ein Guter? Aus welchem Lager kommt er? Wie tickt er?
„Qui sibi Nomen imposuit Franciscum.“ Nein! Echt? Wow! Ein kleiner Freudenschauer geht mir durch die Knochen. Franziskus – wenn er es ernst meint mit dem Namen…

Auf den Balkon tritt ein schüchtern wirkender älterer Mann im weißen Gewand. Noch nie gesehen. Er betrachtet die jubelnde Menge und wartet, bis es leiser wird. Er lächelt.
„Buona Sera.“

„Und jetzt beginnen wir diesen Weg, Bischof und Volk. Dieser Weg der Kirche Roms, der jener ist, der in der Barmherzigkeit allen Kirchen vorsteht, ein Weg der Brüderlichkeit, der Liebe, des Vertrauens zwischen uns. Beten wir immer für uns, einer für den anderen. Beten wir für die ganze Welt, damit es eine große Brüderlichkeit geben wird.
Und nun möchte ich den Segen erteilen, doch zuerst bitte ich Euch um einen Gefallen. Bevor der Bischof das Volk segnet, bitte ich darum, dass Ihr den Herrn bittet, damit ich gesegnet werde.“

Ich bin tief bewegt. In den ersten Tagen seit seiner Wahl sendet Franziskus unaufhörlich kleine Zeichen, die mir Hoffnung machen. Die mich zum Lächeln bringen. Die mich staunen lassen.

In diesen Tagen freue ich mich wieder neu, Mitarbeiter der Kirche zu sein. Und ich bin gespannt auf den Weg, den Papst Franziskus mit uns gehen wird.