Statusupdate

Schon über einen Monat nichts geschrieben. Wird mal wieder Zeit für ein „Statusupdate“ …

Kurz und knapp: Mir ist nicht langweilig. In meinen beiden Arbeitsbereichen (Ministrantenseelsorge & Berufe der Kirche) stehen einige größere Veranstaltungen an, die geplant und durchgeführt werden wollen:
Für die „Minis“ im Bistum Speyer wird es im August z.B. einen diözesanen Messdienertag geben, zu dem wir etwa 600 Kids & Jugendliche erwarten. Zudem versuchen wir gerade das Schulungskonzept zu überarbeiten und ein neues Angebot (unter dem Motto „Miniwerkstatt vor Ort“) anzuleiern.
Über die Stelle „Berufe der Kirche“ bin ich beim diözesanen Weltjugendtag dabei, bei der Heilig Rock-Wallfahrt, beim Katholikentag, bei Wanderexerzitien, einer Taizéfahrt und natürlich bei den Infowochenenden „Theologie studieren“ etc.

Gerade das Feld „Berufungspastoral“ ist super spannend – und unglaublich herausfordernd. Manche Angebote laufen erstaunlich gut, andere nur schleppend. Jugendliche und junge Erwachsene, die konkret an einem kirchlichen Beruf interessiert sind, kommen zwar nicht in Massen – aber sie kommen. Dadurch, dass ich in recht vielen Kontexten in der kirchlichen Jugendarbeit unseres Bistums präsent bin, spüre ich nach und nach ein wachsendes Vertrauen, das mir von den jungen Menschen geschenkt wird.

Vertrauen – das ist der Schlüssel, ohne den mir in meinem Job die Türen versperrt bleiben. Das gilt sowohl in meiner Arbeit mit den Messdienerinnen und Messdienern, als auch bei der Kolpingjugend oder in der Pfarrei – und vor allem in der Berufungspastoral. Dass es mir als Priester nicht automatisch entgegengebracht wird, wundert mich wenig. Im Gegenteil: Ich kann es gut verstehen und finde es sehr wichtig, dass junge Menschen zunächst mal kritisch sind.
Wenn sie dann merken, dass ich als „Berufe der Kirche-Mensch“ nicht auf „Seelenfang“ oder „Rekrutierungstour“ bin, sondern ehrlich und ernsthaft an IHREN Lebensfragen interessiert bin, öffnet sich die Tür zu einem Weg des Vertrauens, auf dem die wirklich wichtigen Themen zur Sprache gebracht werden können. Die Fragen nach der eigenen Berufung stehen da ganz vorne an: „Wohin soll mein Lebensweg gehen? Welcher Lebensentwurf ist der Richtige für mich? Und: Welches Angebot will Gott mir machen?!“
Natürlich bringe ich dabei die Frage nach einer Berufung zum Priester, Pastoral-, Gemeindereferenten oder Diakon zur Sprache (bevor sich jemand beschwert: Ich krieg‘ das gerade nicht gegendert). Wichtiger ist mir jedoch, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfahren, dass Gott für JEDEN eine Berufung hat und dass es nichts Schöneres gibt, als diese Berufung zu entdecken!
Ich glaube nebenbei, dass man nicht nur bei einem Priester, sondern z.B. auch bei einer Kardiologin oder bei einem Koch ziemlich gut spüren kann, ob er oder sie den Job aus Passion, Liebe und Berufung macht…

Zurück zum Punkt: Vertrauen. Junge Menschen sind glücklicherweise nicht nur kritisch, sondern auch bereit, Vorbehalte abzubauen, die sich als nicht haltbar erweisen. Ein typisches Beispiel: Ab und an – nicht immer – trage ich einen Collar. Ich bin mir voll bewusst, dass dieses Kleidungsstück Assoziationen auslöst. Deren Bandbreite reicht von „Super, endlich mal ein wahrhaft katholischer Priester!“ bis hin zu „Was ist denn das für ein blöder traditionalistischer Typ?“. Schublade auf – Schublade zu. Zuerst mal.
Mit der Zeit wird in der Regel klar, dass weder das Eine noch das Andere so recht zutrifft. Fragen werden gestellt und beantwortet. Ein Gespräch entsteht: „Sag‘ mal, warum trägst du das Teil?“ „Weil ich gerne Priester bin und meine Berufung liebe.“ „Wieso wolltest du Priester werden?“… Und plötzlich geht’s ums Thema „Berufung“ – der Focus wechselt von mir auf die Berufungsfragen meines Gegenübers. Dabei bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie intensiv und ernsthaft sich Jugendliche mit diesem Thema beschäftigen – aber leider viel zu selten den passenden Raum finden, es zu thematisieren…

Während ich in der Berufungspastoral bei jungen Menschen eine große Offenheit spüre, die mich total freut, schlägt mir in anderen Bereichen oftmals ein recht unterkühlter Wind ins Gesicht. So gibt es genügend kirchlich Engagierte und leider auch manche Hauptamtliche, die nicht bereit sind, aus ihrem Schubladendenken auszusteigen. Da sind Vorurteile fest einbetoniert – ebenso in einer recht großen Bandbreite: „Der macht Berufungspastoral – der rekrutiert doch nur neue Priester“, „Der hat eben (siehe oben) nicht gegendert – der hat ein Problem mit der Gleichberechtigung“, „Der läuft in zivil rum – wieder so ein vom Glauben abgefallener Priester“, „Der findet PastoralreferentInnen gut – das grenzt ja an Häresie“, und und und…

Sicher, solche Vorurteile kommen nicht aus dem leeren Raum. Viele von ihnen beruhen auf traurigen Erfahrungen und Enttäuschungen, die im Laufe eines Glaubens- oder Arbeitslebens gemacht wurden. (Hinweis: Die „Kirche auf Erden“ ist nun mal nicht perfekt – weder in Speyer noch in Rom – sonst wär’s ja schon die Kirche im Himmel.)

Und doch wünsche ich mir, gerade von kirchlich Engagierten, von Kolleginnen und Kollegen, eine wohlwollende Offenheit gegenüber dem Thema „Berufung“ – und damit auch gegenüber der Berufungspastoral. Nicht meinetwegen. Mich kann man von mir aus gerne in Schubladen reinstecken. Sondern wegen der jungen Menschen, die auf der Suche nach ihrer Berufung sind. Denn um sie geht es: Darum, dass die Kirche gute und engagierte Seelsorgerinnen und Seelsorger braucht, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken will. Darum, dass Gott für jeden Einzelnen dieser jungen Leute einen Schatz bereithält. Eine Berufung zum Leben. Zur Freiheit!

Ihr seht – ich kann mich in dieses Thema so richtig schön „reinschreiben“. Wie schon gesagt: Es ist ziemlich herausfordernd und lässt meine grauen Zellen auf Hochtouren laufen. Spannend ist es allemal: Mal renne ich ungebremst mit dem Kopf an die Wand, dass mir der Schädel dröhnt – mal erlebe ich absolut erfüllende und schöne Highlights und Glücksmomente.

Und wenn ich nicht gerade mit der Ministrantenseelsorge oder mit der Berufungspastoral beschäftigt bin?
Dann bin ich zum Beispiel in Sachen Kolpingjugend unterwegs. Vor wenigen Tagen haben mir die Jugendlichen auf der Diözesankonferenz ihr Vertrauen ausgesprochen und mich zum geistlichen Leiter (wieder-)gewählt. Die Arbeit dort macht jede Menge Spaß – verlangt aber auch genügend Zeit, die manchmal recht knapp bemessen ist. Für 2013 planen wir gerade einen Arbeitseinsatz in Brasilien, worauf ich mich als „Ehemaliger“ sehr freue.
Dann habe ich natürlich noch eine Familie: Zwei Eltern, einen Bruder mit Freundin und Kind, sowie eine Schwester, die alle etwas durchgeknallt, aber ganz lieb sind 😉 – die sehe ich leider viel seltener, als ich es mir wünschen würde.
Auch meine Freunde sehe ich nur sporadisch und genieße die Zeit mit ihnen (in diesem Kontext nehme ich gleich mal eine Gelegenheit wahr und grüße den Onkel von Paul…)
Die Freizeit, die dann noch übrig bleibt, verbringe ich mit mehr oder weniger sinnvollen Dingen wie Wohnung putzen, Sport machen, Kochen, Schlafen, Schuhe kaputtwandern,…

So bin ich weiter unterwegs: Mit Bibel, Stola und Kaffee –
und freue mich auf die Begegnungen mit interessanten und netten Menschen, die Gott mir schenkt.

Statusupdate Ende. 

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3 comments

  1. Nur, weil es mir gerade auffiel – bringst Du neben der „Berufung zum Priester, Pastoral-, Gemeindereferenten oder Diakon“ auch die Berufung zum Ordensmann bzw. Mitglied einer geistlicheen Gemeinschaft (m/w) zur Sprache? Das ist für viele Mädchen meiner Erfahrung nach frustrierend, dass sie in der Berufungspastoral „übersehen“ werden – für potentielle Priester gibt es in vielen Bistümern Angebote, aber da sind Mädchen/junge Frauen nunmal von vornherein außen vor. Wenn die von der Berufungspastoral auch Orden und geistliche Gemeinschaften im Blick hätten, würde das so in der Form nicht passieren. Aber meine Erfahrungen stammen alle aus Bistümern, die weit weg sind von Speyer … vielleicht machst Du das ja.

    1. Hallo Cornelia,
      danke für den Hinweis. Ja, auch Ordensberufungen sind im Blick. Im Bistum Speyer sind in der „Runde der Berufung“ aber auch in der Berufungsgruppe der Frauen Ordensleute mit dabei, die sich einbringen.

  2. Der Hinweis von Cornelia stößt mich auf ein weiteres Problem, dass mir bei Kirchens immer wieder auffällt:

    Wenn man etwas nicht ausdrücklich sagt, denken manche, man vermeide es absichtlich und nutzen es als Angriffsmöglichkeit. Deshalb: Nein, ich habe die Ordensberufungen nicht absichtlich ausgelassen.
    Und nein, ich habe auch die Berufung zum Polizisten, zur Politikerin, zum Streetworker und zur Familientherapeutin nicht absichtlich ausgelassen…
    Und wenn ich sage, dass ich den Beruf des Priesters für das größte Abenteuer der Welt halte, werte ich damit andere Lebensentwürfe oder pastorale Berufe nicht ab (was man mir kürzlich mit Genuß unterstellt hat.
    Ich bin auch nicht verklemmt oder gegen Gleichberechtigung, wenn ich nicht alles gendere.

    Fazit: Unterstellungen nerven.

    P.S.: Cornelia, versteh‘ diesen Kommentar bitte nicht falsch – ich denke, du weisst, was ich damit sagen will…

Dein Senf...