Eine Zugfahrt

Seit dem Studium vor mittlerweile sechs Jahren bin ich kaum mehr Zug gefahren – wenn man mal die 16 Stunden zur Miniwallfahrt nach Rom und zurück nicht mitzählt. Habe ganz vergessen wie lustig so eine Reise doch ist.

Es beginnt dabei, den Leuten am Fahrkartenautomaten zuzuschauen. Nervös schwitzend versuchen sie, dem Teil eines der heiß begehrten Tickets zu entlocken – fluchend und schimpfend über die kaum vorhande Usability. Im Wagen dann allerlei verschiedene Gerüche, welche vom lieblich duftenden Parfum bis hin zum penetrant stinkenden Schweiß reichen. Reisende in feinen Anzügen mit Aktentasche und Laptop. Nebenan die Globetrotter und Backpacker mit mehr Gewicht auf dem Rücken als ein kräftiger Esel zu tragen in der Lage wäre.

Keifende Damen, die einer jungen Mutter mit 3 Kindern vorwerfen, sie habe ihren reservierten Platz belegt und müsse sofort verschwinden. Eine grinsende Mutter im Moment der Erkenntnis, dass die Herrschaften sich im Wagon geirrt haben. Selbige Mutter, auf dem Boden im Mittelgang ihrem jüngsten Spross die Windel wechselnd. Ein bärtiger, tätowierter Riese, der geduldig lächelnd wartet, den belegten Gang wieder passieren zu können.

Dazwischen ein junger Priester, mit kaltem Kaffee aus der Dose und iPad auf den Knien. Während er irgendwas auf der flachen Glasscheibe rumtippt, hört er der Oma zu, die den fremden Kindern mit Hingabe alte Märchen und Geschichten von früher erzählt.

Draußen rauscht am wolkenverhangenen Horizont die Landschaft vorbei. Kaffeeduft in meiner Nase. Ist nett, so eine Zugfahrt.

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