Was ist Wahrheit?…

… fragt Pilatus in seinem Gespräch mit Jesus. Am Ende kann er keine Schuld finden. Und lässt ihn unter dem Druck der Meute doch kreuzigen.

Was ist Wahrheit?

  • Wahrheit ist, daß von geistlichen & kirchlichen Mitarbeitern Kinder mißbraucht wurden.
  • Wahrheit ist, daß Täter gedeckt wurden – Dinge unter den Teppich gekehrt wurden.
  • Wahrheit ist, daß die Opfer leiden wie Hunde. Daß weder Worte noch Geld noch irgendeine menschliche Kraft erfahrenes Leid ungeschehen machen können.
  • Wahrheit ist aber auch, daß es in Deutschland jedes Jahr 80.000 bis 120.000 Mißbrauchsfälle gibt, von denen die meisten laut Kinderschutzbund im familiären Umfeld passieren.
  • Wahrheit ist weiterhin, daß in Deutschland innerhalb von katholischen Verbänden und in der MinistrantInnenarbeit weit über eine Million Kinder & Jugendliche zusammenkommen. Sie erleben dort eine großartige Betreuung, lernen für’s Leben und werden darauf vorbereitet, als mündige und selbst denkende Erwachsene in die Welt zu gehen.
  • Wahrheit ist, daß sich die überwältigende Mehrheit der Seelsorger & kirchlichen MitarbeiterInnen in der Kinder- & Jugendarbeit mit ihrer ganzen Kraft & Liebe für die Kinder einsetzt. Sie sind mit Herzblut dabei und verdienen es einfach nicht, mit einigen wenigen perversen Triebtätern in eine Ecke gestellt zu werden!

Deshalb:

  • Liebe Journalisten, Blogger, …: Schaut euch die Fakten an, bevor ihr Urteile fällt. Lernt endlich aus der Geschichte, die uns sagt, daß pauschale Sippenhaftung a) schlicht falsch ist und b) das soziale Klima in unserem Land nicht gerade fördert.
  • Liebe Wir-sind-Kirche-Aktivisten, Generell-Dagegen-Seiende, Lobbyisten,…: Hört auf, mit Eurer kindischen & billigen Art, eigene Interessen in dieses Thema einbringen zu wollen. Ihr könnt gerne über den Zölibat wettern – aber hier ist der falsche Platz. Seht auf die fette Zahl oben (120.000!): Es besteht durchaus eine winzige Wahrscheinlichkeit, daß auch Nichtzölibatäre Menschen sexuell verklemmt oder einfach nur krank sind. Ach und ganz nebenbei: Ich lebe seit 5 Jahren im Zölibat und finde hübsche Frauen nach wie vor anziehend, während mir beim Gedanken an Kindesmißbrauch die Galle hochkommt…

Zum Schluss lasse ich (auszugsweise) den Heiligen Vater seinen Senf dazu geben. Im Bewußtsein, daß verschiedene Interessenvertreter ihm natürlich und mit Inbrunst das Wort im Mund herumdrehen werden…

  • An die Opfer des Missbrauchs und ihre Familien
    Ihr habt viel gelitten und ich bedaure das aufrecht. Ich weiß, dass nichts das Erlittene ungeschehen machen kann. Euer Vertrauen wurde verraten und eure Würde wurde verletzt. Viele von Euch mussten erfahren, dass, als Ihr den Mut gefunden habt, über das zu spreche, was euch zugestoßen ist, Euch niemand zugehört hat. Diejenigen von euch, denen das in Wohnheimen und Internaten geschehen ist, müssen gefühlt haben, dass es kein Entkommen gibt aus Eurem Leid. Es ist verständlich, dass es schwer für Euch ist, der Kirche zu vergeben oder sich mit ihr zu versöhnen. Im Namen der Kirche drücke ich offen die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen. […]
  • An die Priester und Ordensleute, die Kinder missbraucht haben
    Ihr habt das Vertrauen, das von unschuldigen jungen Menschen und ihren Familien in Euch gesetzt wurde, verraten und Ihr müsst Euch vor dem allmächtigen Gott und vor den zuständigen Gerichten dafür verantworten.Ihr habt die Achtung der Menschen Irlands [Carsten: Ja und auch Deutschlands] verspielt und Schande und Unehre auf Eure Mitbrüder gebracht. Die Priester unter Euch haben die Heiligkeit des Weihesakraments verletzt, in dem Christus sich selbst in uns und unseren Handlungen gegenwärtig macht. Gemeinsam mit dem immensen Leid, das Ihr den Opfern angetan habt, wurde die Kirche und die öffentlichen Wahrnehmung des Priestertums und des Ordensleben beschädigt.
    Ich mahne Euch, Euer Gewissen zu erforschen, Verantwortung für die begangenen Sünden zu übernehmen und demütig Euer Bedauern auszudrücken. […] Gleichzeitig ruft uns Gottes Gerechtigkeit dazu auf, Rechenschaft über unsere Taten abzulegen und nichts zu verheimlichen. Erkennt Eure Schuld öffentlich an, unterwerft Euch der Rechtsprechung, aber verzweifelt nicht an der Gnade Gottes.
  • An die Kinder und die Jugend Irlands
    Euch möchte ich ganz besonders ermutigen. Eure Erfahrung der Kirche ist sehr unterschiedlich von der Eurer Eltern und Großeltern. Die Welt hat sich sehr geändert seit sie in Eurem Alter waren. Trotzdem sind alle Menschen aller Generationen dazu berufen, denselben Weg durchs Leben zu gehen, gleich unter welchen Umständen. Wir sind alle skandalisiert von den Sünden und dem Versagen von einigen Mitgliedern der Kirche, besonders durch die derer, die eigens dazu ausgesucht waren, jungen Menschen zu dienen und sie anzuleiten. Aber es ist die Kirche, in der Ihr Christus findet, der derselbe ist, gestern, heute und morgen (Hebräerbrief 13:8). Er liebt Euch und er hat sich am Kreuz für Euch hingegeben. Sucht eine persönliche Beziehung zu ihm in der Gemeinschaft der Kirche, denn er wird nie Euer Vertrauen missbrauchen! Er allein kann Eure tiefsten Sehnsüchte erfüllen und Eurem Leben den vollen Sinn geben dadurch, dass er es zum Dienst am Nächsten lenkt. Haltet Eure Augen auf Jesus und seine Güte gerichtet und schützt die Flamme des Glaubens in Eurem Herzen.

Den kompletten Hirtenbrief könnt ihr hier bei Radio Vatikan nachlesen…

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4 comments

  1. Danke für diesen Beitrag. Das Thema macht mich zweifach sehr traurig. Zum einen geht Kindesmissbrauch nun einmal gar nicht und ich finde es schlimm, dass es soetwas gab und leider auch immer wieder noch gibt.
    Ebenso traurig macht es mich aber auch, dass alle Priester aktuell über einen Kamm gescherrt werden, obwohl Kindesmissbrauch ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt und darüber hinaus nur ein winziger Bruchteil dieser Straftaten von Priestern begangen wird.

    Beim Thema Missbrauch darf nicht geschwiegen werden, aber das bedeutet auch, dass wir immer bei der Wahrheit bleiben müssen. Missbrauch ist schlimm, Verleumdung aber ebenso.

  2. und Wahrheit ist auch das es in vielen nicht kirchlichen Einrichtungen Kindesmissbrauch gegeben hat.

  3. Zum Zölibat und „Wir sind die Kirche“: Nachdem sich zu 99 % nicht-zölibatär lebende Menschen zum Zölibat äußern muss ich zu Deinen Kommentar sagen, das Du nicht mitreden kannst. Warum? Weil Du weißt um was es geht und das ist das Problem. Denn es könnte ja sein das Du etwas anderes sagst als diejenigen die keine Ahnung haben. Und das kann doch nicht sein … oder?

    (nun ernsthaft:)
    Danke für Deine Worte …

Dein Senf...