Landgeschichten – oder: Die Diaspora ist zu schwach

Im Bistum Speyer wird – wie in vielen deutschen Diözesen – intensiv an neuen und zukunftsfähigen Strukturen gearbeitet. Weil Kirche sich verändert. War schon immer so. Manche finden das blöd. Ich find’s spannend. Wobei ich zugeben muss, dass es hin und wieder auch einfach nur mega anstrengend ist. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es mehr um Befindlichkeiten, Zahlenspiele und Grenzen im Kopf geht, als darum, dem Heiligen Geist etwas zuzutrauen.

Als Pfarrer einer kleinen Pfarrei in der Nordpfalz beschäftigt mich vor allem die Frage, welchen (Stellen)Wert die Diaspora in Zukunft haben wird. Jene Regionen, in denen es nur wenige Katholikinnen und auch wenige Seelsorgerinnen gibt. Kirchliches Leben tickt und funktioniert hier anders, als in städtischen Regionen oder in der „gut katholischen“ und auch ressourcenmäßig noch verhältnismäßig stark aufgestellten Vorderpfalz.

„Die Diaspora ist zu schwach“ höre ich in Sitzungen und Konferenzen immer wieder. „Da will keiner hin. Es gibt zu wenig Seelsorger*innen. Die Diaspora ist ein Auslaufmodell.“ Auch, wenn es nicht genau so gesagt wird – so kommt es bei mir an. Und bei vielen Menschen, die hier leben und sich hier engagieren. Mit Zahlen, Daten und Fakten wird diese Argumentation untermauert. Es gebe nur eine Lösung, heißt es…

Vorneweg: Ich möchte mich konstruktiv einbringen. Egal, welche Strukturen demnächst geschaffen werden. Auf meiner Karte steht „Mach das Beste draus!“.

Gleichzeitig grummelt es in meinem Magen und in meinem Kopf. Ich frage mich, ob letztlich nicht einfach nur der Mut fehlt, Potentiale zu sehen und zu heben. Den Heiligen Geist machen zu lassen und dafür auch Risiken einzugehen.

Wäre es nicht ein Zeichen des Mutes, die Christ*innen in der Diaspora mal machen zu lassen? Zu sagen: Wir unterstützen Euch, indem wir Euch solidarisch die Ressourcen (finanziell & personell) zugestehen, die Ihr als Grundwerkzeug braucht. Wir vereinbaren einen festen Zeitraum um zu sehen, ob daraus etwas entsteht, das trägt.

Warum ich mich all das frage?
Weil ich als Pfarrer einer kleinen Pfarrei in der Diaspora immer wieder sehe und erlebe, was alles möglich ist, wenn wir Menschen finden, die sich engagieren möchten – und wenn wir sie „einfach machen lassen“. Dann entstehen Formate, die auch ohne oder nur mit wenig pastoralem Personal funktionieren. Dann werden Christ*innen befähigt und ermächtigt, Kirche zu gestalten und mit Leben zu füllen.

Ein Beispiel: Am letzten Wochenende gab es in unserer Pfarrei eine ganze Fülle von Angeboten für verschiedene Zielgruppen.

  • Die Winnweiler und Otterberger Firmlinge waren drei Tage lang in Falkenstein und haben dort eine tolle Zeit erlebt.
  • Ein neues spirituelles Format im Freien wurde zum ersten Mal ausprobiert („Gott begegnen ohne Steine“).
  • Kirche Kunterbunt hat Familien und Kinder in Börrstadt zusammengeholt und begeistert.
  • Die Frauen haben ihre Maiandacht in der Kreuzkapelle gefeiert.
  • Ein Feuerwehrhaus wurde in einer ökumenischen Feier gesegnet.
  • Und dann waren da noch die „ganz normalen“ Eucharistiefeiern am Wochenende.


All das ist möglich in einer kleinen Pfarrei auf dem Land. Weil es Menschen gibt, die für etwas brennen und sich engagieren. Weil wir lieber „Mach doch einfach mal“ sagen als „Oha, das wird aber schwierig“.

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