Ich verstehe Euch nicht mehr.
Was ist aus der bürgernahen, konservativen, wirtschaftsfördernden Partei geworden, die Ihr mal wart?
Gerade jetzt – in chaotischen Zeiten – bräuchten wir Euch umso mehr. Um gemeinsam mit anderen Parteien im demokratischen Wettstreit unser Land zu stärken, auf die Zukunft hin zu orientieren und rechtsextremer Menschenverachtung die Stirn zu bieten.
Stattdessen definiert Ihr Euch derzeit vor allem über ein Feindbild („Habeck“). Täglich. Manisch. In einem Tenor, der zum Fremdschämen einlädt. Als wäre das Kleinmachen eines politischen Gegners ein Regierungsprogramm. Das mag kurzfristig mobilisieren — aber es ist kein Plan für dieses Land. Braucht Ihr das wirklich für Euer Ego?
Ihr redet immer wieder von der „Brandmauer“. Es wird jedoch zunehmend schwer, den Worten Glauben zu schenken. Zu oft übernehmt Ihr Wordings und Strategien der AfD und der Springerpresse. Diese Übernahmen sind keine Zufälle mehr. Sie haben System. Und wenn Lobbyverbände fossiler Energieträger im politischen Tagesgeschäft mehr Gehör finden als Klimawissenschaftlerinnen und Wirtschaftsökonominnen, dann ist das keine „Technologieoffenheit“. Das ist schlicht gekaufte Politik.
Bürgernah. Konservativ. Wirtschaftsfördernd. Nebenbei noch christlich.
All das schreibt Ihr Euch auf die Fahne.
Wie genial wäre es, wenn Ihr das auch umsetzen würdet. Konsequent.
Ihr könntet sagen: „Weil wir konservativ sind, sorgen wir dafür, dass die Wirtschaftskraft unseres Landes bewahrt und gestärkt wird. Indem wir auf Energien setzen, die uns nachgewiesenermaßen unabhängiger machen, immense Kosten sparen und nebenbei sogar das Klima bewahren. Wir bewahren unsere Bürger*innen vor fossilen Kostenfallen und unterstützen sie durch kluge Fördermaßnahmen dabei, zukunftsfähig umzurüsten. Mit uns wird Deutschland bei der weltweiten Energiewende ganz vorne mit dabei sein.“
Ihr könntet sagen: „Weil wir das C im Namen tragen, nehmen wir Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ernst. Nicht als Sonntagsrede, sondern als politischen Maßstab. Das bedeutet: Integration fördern statt behindern. Inhalte liefern statt Feindbilder bedienen. Und aufhören, Menschen zu belügen, die uns vertrauen.“
All das wäre möglich. Ihr hättet die Mittel, die Geschichte und das Mandat dafür.
Dass Ihr stattdessen einen anderen Weg geht, ärgert mich maßlos. Denn im Moment erlebt dieses Land eine CDU, die ihr eigenes Profil gegen Parolen eintauscht und damit den Boden bereitet, auf dem Rechtsextreme gedeihen.
Ja, ich weiß: An ganz Hartgesottene komme ich mit diesen Gedanken nicht ran. Da mag die Kritik noch so konstruktiv und begründet sein. Hier wird es wieder entsprechende Rückmeldungen geben.
Ich weiß aber auch, dass es in der CDU viele kluge, bodenständige und aufrichtige Frauen und Männer gibt. Menschen, die ich in meinem Alltag kenne und schätze. Menschen, die nicht nur ihrer Partei, sondern vor allem der Demokratie verpflichtet sind. Die mit echter Überzeugung für die Menschen vor Ort eintreten.
Wenn Ihr Euch hier angesprochen fühlt: Ja, ich meine Euch. Redet. In Euren Ortsverbänden, in Euren Fraktionen, in Eurem Umfeld. Stellt unbequeme Fragen. Stimmt gegen Anträge, die Ihr nicht vertreten könnt. Tragt Widerspruch nach innen — nicht nur Zustimmung nach außen. Und schweigt nicht, wenn Eure Partei gerade dabei ist, sich selbst zu verraten.
#LiebeCDU #Demokratie #Energiewende #CDU #LandtagswahlRLP
