Regenbogen
Es gibt Themen, die mir immer wieder bewusst machen, dass mein Denken begrenzt ist.
Die wie ein Stachel in meinem Denken sind. Wie Fragezeichen, auf die ich noch keine entgültige Antwort gefunden habe und vielleicht auch nie finden werde.

Homosexualität ist eines davon. Da ist das christliche Menschenbild in meinem Kopf. Gott hat den Menschen als Frau und Mann erschaffen. Die Ehe ist ein wunderschönes Bild für die Liebe Gottes. Aber er hat auch Menschen geschaffen (und tut es noch), die homosexuell, trans* etc. veranlagt sind. Wie sollte er diese Menschen nicht lieben? Mit welchem Recht könnte ich mir erlauben, zu meinen, Gott habe Mist gebaut und diese Menschen mit einem „Fehler“ erschaffen?

Mein Denken hat Grenzen. Ich kann homosexuelle Liebe nicht nachvollziehen – weil ich nun mal als Hetero geschaffen bin. Aber ich werde auch die Gedanken- und Gefühlswelten von Frauen niemals ganz nachvollziehen können – weil Gott mich als Mann geschaffen hat. Es wird immer Lebenswelten geben, die ich niemals zu 100% nachvollziehen kann: Weil es kulturelle, soziologische, biologische, religiöse Unterschiede gibt, die mich (und auch dich, den/die Leser*in) prägen.

Wovon ich überzeugt bin: Das Denken in Kategorien wie „Richtig“ und „Falsch“ ist gefährlich. Das zeigt mir, als gläubiger Christ und Nachfolger, das Reden und Handeln Jesu, das unser Denken, Reden und Handeln ständig infrage stellt. Das provoziert.

Was bedeutet das für mich?
Es bedeutet, dass ich wohl mein Leben lang an mir arbeiten muss. Eine definitive „Antwort“ wird’s dann danach im Zweiergespräch geben. Damit kann ich leben.
Es bedeutet, dass ich mir immer wieder meiner Grenzen und der Schubladen in meinem Kopf bewusst sein muss.
Es bedeutet, dass ich nicht das Recht habe, zu urteilen. Aber die Pflicht, meinen Nächsten zu lieben. Beides ist oft schwer. Beides ist auch entlastend.

Was mir noch wichtig ist: Ein Mensch ist so viel mehr als „nur“ seine sexuelle Orientierung. Das kann nicht oft genug gesagt werden. Wir Christen sollten unser Gegenüber weniger als Hetero, Homo, Trans* (oder was auch immer) wahrnehmen – sondern zuerst als Geschöpf Gottes. Als Bruder. Schwester. Ob wir uns dann (rein menschlich und persönlich) „voll toll“ oder „total doof“ finden, ist ein anderes Thema…

So. Genug Text und Denkstoff.
Ich habe mir diese Gedanken gemacht, nachdem ich auf Facebook einen interessanten Videoclip zum Thema gefunden habe, den ich hier leider nicht verlinken kann (die Technik ist schuld). Die Statements im Clip finde ich echt sympathisch – und sie haben mich dazu gebracht, mir etwas Zeit zum Grübeln zu nehmen. Vielleicht nimmst Du Dir auch diese Zeit 😉

Nachtrag: Hier solltet Ihr den Clip sehen können…