Das Testament des Papstes – Update

4. Auf der Schwelle des dritten Jahrtausends „in medio Ecclesiae” stehend, will ich noch einmal dem Heiligen Geist Dankbarkeit ausdrücken für das große Geschenk des Zweiten Vatikanischen Konzils, in dessen Schuld ich mich zusammen mit der ganzen Kirche – und vor allem dem ganzen Episkopat – fühle.
Ich bin davon überzeugt, dass noch lange die neuen Generationen aus dem Reichtum schöpfen werden, die dieses Konzil des 20. Jahrhunderts uns angehäuft hat. Als ‚Bischof, der am Konzilsereignis vom ersten bis zum letzten Tag teilgenommen hat, will ich dieses große Erbe allen anvertrauen, die jetzt und in Zukunft dazu gerufen sein werden, es umzusetzen. Ich für mein Teil danke dem ewigen Hirten, der mir erlaubt hat, dieser großen Sache in all diesen Jahren meines Pontifikates zu dienen.

„In medio Ecclesiae”… von den ersten Tagen des bischöflichen Dienstes an ist es mir – dank dem Konzil – gegeben worden, die brüderliche Gemeinschaft im Bischofsamt zu erleben. Als Priester des Erzbistums Krakau hatte ich erfahren, was die brüderliche Gemeinschaft der Priester untereinander bedeutet – das Konzil hat eine neue Dimension dieser Erfahrung eröffnet.

5. Wieviele Personenmüßte ich hier aufzählen! Vielleicht hat der Herr, unser Gott, die Mehrheit von ihnen zu sich gerufen – was die betrifft, die sich noch auf dieser Seite befinden, mögen die Worte dieses Testaments an sie erinnern, sie alle, überall, wo sie sich befinden mögen.

Im Lauf der mehr als zwanzig Jahre, in denen ich den Petrusdienst „in medio Ecclesiae” leiste, habe ich die großzügige und um so fruchtbarere Mitarbeit von so vielenKardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen erfahren, so vielen Priestern, so vielen geweihten Personen – Brüdern und Schwestern – schließlich so vielen Laien, in der Kurie, im Vikariat des Bistums Rom und außerhalb dieser Kreise.

Wie könnte ich nicht mit dankbarer Erinnerung alle Episkopate in der Welt umarmen, mit denen ich mich in den einander ablösenden Besuchen „ad limina Apostolorum” getroffen habe! Wie könnte ich nicht an die vielen christlichen Brüder erinnern – die nicht-katholischen! Und den Rabbiner von Rom und so viele Vertreter der nicht-christlichen Religionen! Und die vielen Vertreter der Welt der Kultur, der Wissenschaft, der Politik, der Medien!

6. Jetzt, wo sich das Ende meines irdischen Lebens nähert, kehre ich in meiner Erinnerung zum Anfang zurück, zu meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Schwester (die ich nicht kennengelernt habe, weil sie vor meiner Geburt starb), zur Pfarrei von Wadowice, wo ich getauft worden bin, zu jener Stadt meiner Liebe, zu meinen Altersgenossen, zu meinen Mitschülerinnen und Mitschülern in der Grundschule, im Gymnasium, an der Uni, bis zu den Zeiten der Besetzung, als ich als Arbeiter tätig war, und dann an zur Pfarrei von Niegowić, zu der von St. Florian in Krakau, zur Akademiker-Seelsorge, zum Kreis… zu allen Kreisen… in Krakau und Rom… zu allen Personen, die mir der Herr in besonderer Weise anvertraut hat.

Allen möchte ich das eine sagen: „Gott vergelte es euch”
„In manus Tuas, Domine, commendo spiritum meum”A.D. 17.III.2000

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