Jesus, I live for you


Von Edel M. Cech

Die Autorin, Mitherausgeberin der Jugendzeitschrift “You!", verbringt derzeit mehrere Monate im Ausland in der Begegnung mit missionarischen Jugendgruppen. Was sie dabei erlebt hat, ist lesenswert - und vor allem Grund zu großer Hoffnung.

 

Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage." (Joh 15,13-14) Eine revolutionäre Stelle, denn sie widerspricht dem, was man heute unter “Liebe" versteht. “Sein Leben hingeben", tun, was Er uns “aufträgt", Er, Jesus,- und zu Seinen Freunden gehören - das soll die “größte Liebe" sein?

Ich habe nicht vor, eine Abhandlung über die Größe der Liebe zu geben. Ich möchte nur bezeugen, daß es sie gibt - auch heute - diese “größte Liebe" und auch diese “Freunde Jesu", die tun, was Er sagt, die bereit sind, ihr Leben hinzugeben für ihre Freunde. Ich habe sie besonders in diesem Jahr zuhauf angetroffen. Daß das Jubiläum 2000 ein außerordentlich gnadenreiches Jahr sein würde, habe ich geahnt; aber daß sich die Gnaden so häufen würden ...

Schauplatz Rom, Via Mecenate 37: 14 Nationen aus fast allen Erdteilen in einem Haus! Junge Leute zwischen 20 und 30 geben ein Jahr ihres Lebens für die Kirche. In Rom, am Herzen der Kirche, lernen sie mehr über das, was diese ausmacht und über das, was sie am Leben erhält.

Es geht um die “Emmanuel School of Mission", eine Evangelisationsschule mitten in Rom. Getragen von Gebet und Gemeinschaftsleben werden junge Menschen geschult, hinauszugehen und Zeugnis zu geben. Konkret machen sie das im täglichen Besuch des internationalen Jugendzentrums San Lorenzo (gleich hinter dem Petersplatz), wo sie junge Pilger aus der ganzen Welt willkommen heißen und sie ins Zentrum ihres Glaubens führen - durch Gestaltung von Messen, Gebetsabenden, Anbetung.

Das gleiche geschieht bei Einsätzen in viel besuchten Kirchen Roms (Trevibrunnen, Spanische Treppe, Piazza Navona). Dort werden Touristen auf den Plätzen rund um die Kirche angesprochen und eingeladen einzutreten, zu beten, zu singen oder einen Neuanfang in ihrem Leben zu wagen (z.B. durch eine Beichte).

Das Programm in der Kirche ist einfach: Das Allerheiligste ist ausgesetzt, ein kleiner Chor führt meditativ-musikalisch ins Gebet, in die Anbetung ein. Dabei ist jeder eingeladen, ein Anliegen auf ein kleines Stück Papier zu schreiben und nach vor zum Altar zu bringen, wo es in eine “Worry Box" mit der Aufschrift “Leave it with Jesus" eingeworfen werden kann. Aus einer “Joy Box" darf man sich dann einen aufbauenden - meist treffenden - Bibelspruch in der jeweiligen Landessprache ziehen.

Im Grunde sehr einfach. Jeder könnte das. Aber ein ganzes Jahr in Einsatzbereitschaft zu stehen, das versetzt in Staunen. Ich hatte die außerordentliche Gnade, zwei Monate im Haus der jungen Missionare mitzuleben. Und es hat mich umgehaut. Am meisten fasziniert hat mich die offene, herzliche, freundliche Art, mit der die Jugendlichen jeden, der gekommen ist, empfangen haben. Nachfolge pur. Zeugnis pur. Sie haben mir das widergespiegelt, was die Kirche eigentlich ist: Sie heißt jeden willkommen, nimmt jeden in ihre Arme. Und Jesus ist in ihrer Mitte.

Schauplatz Kalifornien, Gonzales Camp, Jugendgefängnis in der Nähe von Malibu: Ein wilder Haufen 13-18jähriger kahlgeschorener Köpfe starrt dir entgegen - du bist das einzige Mädchen im Raum. Aber nein, sie starren nicht, sie strahlen dich an. Keiner von ihnen ist schwer kriminell, die meisten sind hier auf “Rehabilitation"... Viele kennen den Namen ihres Vaters nicht. Einige sind selbst schon Väter.

Bei unserem wöchentlichen gemeinsamen Gebet sprechen sie rührende Fürbitten für ihre “Ladies" und ihre “Kids". Sie sind selbst erst 15. Fast alle waren Gangmembers in Los Angeles. Während dieser Monate in der Besserungsanstalt haben sie die Chance, neu anzufangen, über ihr Leben nachzudenken. Dabei helfen ihnen verschiedene “Ministries" - Jugendarbeiter, Legionäre Mariens, Seelsorger.

Bei unserem letzten Besuch war ein Jugendarbeiter anwesend, Santiago, um die 20, selber einmal ein Gangmitglied. Er war süchtig gewesen nach Drogen, Alkohol und Sex, wie er sagte, und hat all das Jesus übergeben: die Drogensucht, die Alkoholsucht. Bei der Sexsucht hatte er innegehalten: Jesus, das kann ich Dir einfach nicht übergeben! Aber Jesus zeigte ihm, daß es darauf ankommt, sein ganzes Herz und seinen Leib nur derjenigen Frau zu geben, der er das Jawort vor Gott gibt. Dann wird das Leben viel reicher und schöner. Als Santiago dann alle einlädt, die Augen zu schließen und gemeinsam zu beten, herrschte Totenstille, oder besser, eine feierliche Stille, die die Herzen der Burschen umso LEBENdiger machte, weil sie mit Dem verbunden waren, der das Leben erschafft, ja, das Leben selber ist.

Auch Bob, ein weiterer Jugendarbeiter, stellt seine ganze Zeit, sein ganzes Leben in den Dienst junger Häftlinge. Bob verlor vor Jahren seinen eigenen Sohn durch einen Bandenkrieg. Seitdem will er sein Leben den Burschen widmen, die in Gangs verwickelt sind. Anstatt zu verbittern, setzte er sich ein. Niemand hat größere Liebe...

Schauplatz Agoura Hills, Blockhaus-Büro in Kalifornien: Junge Menschen stellen ein Jahr ihres Lebens zur Verfügung, um Jugendliche aus der ganzen Welt, mit Seinem Wort zu erreichen: mit dem “YOU!"-Magazin, das nicht nur Amerikaner, sondern auch Österreicher, Deutsche, Schweizer, Franzosen, Russen, Polen... herausfordert, Freunde Jesu zu werden und Ihn unter ihren Altersgenossen zu bezeugen. Kein leichtes Unterfangen heute. Aber wenn es radikal gelebt wird, ist es mitreißend, ansteckend, wie eine Welle auf Malibu, die dich samt deinem Surfbrett mitreißt und dich auf ungeheuren Wogen tanzen läßt.

Ja, es ist wie eine neue Revolution unter den neuen Katholiken des neuen Jahrtausends: “Be radical for Christ!" Hast du Ihn einmal entdeckt, hast du dich für Ihn entschieden, segelst du von Gnadenwelle zu Gnadenwelle. Und das beste “Surfbrett" dazu ist Maria, an deren Hand wir am schnellsten und besten zu Jesus gelangen.

Die Surfer-Mentalität in Kalifornien ist einzigartig. Sie hat etwas unheimlich “Cooles" an sich. Die Surfer halten zusammen, bezwingen gemeinsam die Wogen. Durch Hitze und Kälte, auch wenn es noch so stürmt - dann surft es sich sogar am besten. Und sie setzen einen Trend in ganz Amerika. Sie verkörpern die “Coolness" hier. Es ist wirklich so. Ich darf es einen Jubiläumssommer lang erleben.

Warum können wir Christen nicht auch Trendsetter sein? Das fragte sich ein kalifornischer Surfer vor 13 Jahren und begann mit einem Magazin, das herausfordert: durch Dick und Dünn zu gehen, die Wogen der Zeit zu bezwingen, sich über stürmische See zu freuen und dabei eine ganze Generation mitzuziehen und anzuspornen, Freunde Jesu zu werden - indem sie tun, was Er aufträgt und ihr Leben einsetzen für Sein Reich.

Ich erlebe es: Bands schießen aus dem Boden wie Pilze - Bands, die coole Musik machen und Jesus verkünden. Die ihr Publikum anspornen, die Liebe radikal zu leben. Die Gott anbeten in der Musik und in der Stille. High School Kids toben. Baseball Stadien beben, wenn ihre Stimme erschallt: “Jesus, I live for you!"

Das habe ich erfahren. Es ist nur ein Bruchteil. Und es ist erst Halbzeit. Aber das Jubiläum ist noch nicht zu Ende. 

 

Entnommen aus Vision 2000 Nr.4/2000, www.vision2000.at.     Herzlichen Dank!

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